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3 Fragen an … Hebammenprofessorin Dr. Martina Schlüter-Cruse

Die Professorin für Hebammenwissenschaft hat erforscht, wie freiberufliche Hebammen mit dem Angebot der Frühen Hilfen kooperieren.

Um Erziehungs- und Beziehungskompetenzen von Eltern zu stärken, werden in Deutschland auf der Grundlage des Bundeskinderschutzgesetzes seit 2012 flächendeckend die sogenannten Netzwerke Früher Hilfen aufgebaut. Diese Unterstützungsangebote sollen insbesondere Familien in psychosozial belasteten Lebenslagen erreichen. Dr. Martina Schlüter-Cruse, Professorin für Hebammenwissenschaft an der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum), hat im Rahmen ihrer Promotion untersucht, wie sich freiberufliche Hebammen in die Arbeit der Frühen Hilfen einbringen.

Wieso haben Sie in Ihrer Promotion gerade die Arbeit freiberuflicher Hebammen im Kontext der Frühen Hilfen untersucht?

Prof. Dr. Martina Schlüter-Cruse: Der zentrale Ansatz der Frühen Hilfen ist die Kooperation verschiedener Berufsgruppen aus unterschiedlichen Hilfesystemen, vor allem zwischen dem Gesundheitswesen und der Kinder- und Jugendhilfe. Freiberufliche Hebammen sind wichtige Akteurinnen in den Netzwerken Früher Hilfen, da sie ein besonderes Vertrauen der Frauen und Familien genießen. Dies ergibt sich unter anderem daraus, dass die Versorgung während Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit durch eine Hebamme eine Regelleistung des deutschen Gesundheitssystems ist. Allerdings mangelt es an wissenschaftlichen Daten zur Kooperation freiberuflicher Hebammen im Rahmen der Frühen Hilfen. Deshalb habe ich Interviews mit 27 freiberuflichen Hebammen geführt und sie nach ihren Kooperationserfahrungen in diesem Kontext gefragt.

Was konnten Sie durch die Interviews im Hinblick auf die Kooperationserfahrungen herausfinden?

Schlüter-Cruse: Meine Untersuchung macht die Komplexität der Kooperation freiberuflicher Hebammen in den Frühen Hilfen deutlich. Diese ist sowohl durch die Interaktion zwischen den beteiligten Berufsgruppen als auch durch gesundheitspolitische Rahmenbedingungen und die Arbeitsbeziehung der Hebammen zu den von ihnen betreuten Frauen und Familien geprägt. Aus Hebammensicht sind die wesentlichen Merkmale gelingender Kooperation regelmäßige Kontakte zwischen den Berufsgruppen sowie Aufgeschlossenheit und gegenseitiges Interesse an der anderen Profession.

Wo sehen Sie noch Verbesserungspotenzial bei der Kooperation?

Schlüter-Cruse: In den Gesprächen mit den Hebammen hat sich herauskristallisiert, dass es manchmal an Kenntnissen um die Strukturen und Angebote Früher Hilfen mangelt. Außerdem gibt es in den unterschiedlichen Hilfesystemen verschiedene Arbeitskulturen und eine unterschiedliche berufliche Sozialisation der Akteur*innen. Das kann mitunter eine Herausforderung für die Zusammenarbeit darstellen.

Im Rahmen ihrer Antrittsvorlesung am 2. April 2019 gibt Prof. Dr. Martina Schlüter-Cruse Einblicke in ihre Forschungsarbeit zur Kooperation freiberuflicher Hebammen in den Frühen Hilfen.


Die Fragen stellte Judith Merkelt-Jedamzik, Online-Redakteurin des hsg-magazins. Der Text erschien am 22. März 2019 im hsg-magazin.

Aufmacher: Das Foto zeigt Dr. Martina Schlüter-Cruse, Professorin für Hebammenwissenschaft an der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum). Foto: hsg Bochum

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