Zum Inhalt springen
Studenten arbeiten am Computer

Per Mausklick: Gesundheits­relevante Daten online erheben

2. März 2017

Fast jeder deutsche Erwachsene hat – laut Digital-Index – heutzutage einen Internetzugang. Eine riesige Chance, ganz besonders für die Forschung. Denn gesundheitsrelevante Daten von bestimmten Probandengruppen können heute per Online-Befragung schneller und bequemer erhoben werden als je zuvor.

„Das Internet bietet uns viele Möglichkeiten für die Untersuchung wissenschaftlicher und gesundheitsrelevanter Fragestellungen mittels netzbasierter Datenerhebung und -auswertung“, erklärt Dr. Anna Mikhof, Vertretungsprofessorin für Gesundheitspsychologie im Department of Community Health der hsg. Außerdem fügt sie hinzu: „Mittlerweile kann eine hohe Nutzungsquote des Internets durch alle Bevölkerungsschichten hindurch verzeichnet werden und die Online-Datenerhebung bietet viele Vorteile: Wir können Personen unabhängig von Ort und Zeit erreichen und die Kosten der Erhebung senken.“

Natürlich sei der technisch-organisatorische Aufwand bei der Erstellung von Online-Surveys anfänglich wesentlich größer, dafür könnten die Probandinnen und Probanden ihre Daten schnell und bequem eingeben. So erklärt Mikhof: „Die Ergebnisse stehen dann sofort digital zur Verfügung und können mit Statistikprogrammen weiter verarbeitet werden. Online-Befragungen erreichen eine hohe Akzeptanz. Ohne den persönlichen Kontakt zum Untersuchenden antworten die Probanden und Probandinnen offener und bereitwilliger und nehmen die Befragung insgesamt als sehr anonym wahr. Das kann die Effekte sozialer Erwünschtheit, einer Antwortverzerrung, um soziale Ablehnung zu vermeiden, verringern.“

„Online-Befragungen erreichen eine hohe Akzeptanz. Probandinnen und Probanden antworten offener und bereitwilliger.“
Dr. Anna Mikhof

Online-Befragungen können damit, trotz einiger Nachteile, die Datenqualität verbessern. Ein weiterer Vorteil ist, dass Erhebungen mit sonst schwer erreichbaren Gruppen mit verschiedenen Diversitätsmerkmalen wie Ethnie oder Behinderung oder bei sensiblen Themen wie Sexualität sehr viel schneller und kostengünstiger realisierbar sind als mit herkömmlichen Verfahren.

Ein Online-Experiment und eine Online-Befragung

Die Psychologin Anna Mikhof leitete im Sommersemester 2016 ein Forschungsprojekt, bei dem mit Hilfe eines Online-Experimentes der Einfluss von Achtsamkeit auf Vorurteile untersucht wurde. Das Ergebnis: Führen Menschen unterschiedlicher Altersklassen eine Übung zur Förderung der Achtsamkeit durch, steigert das ihre Motivation zu vorurteilsfreiem Verhalten. Diese Motivation führte zu weniger Vorurteilen gegenüber einer Minderheitsgruppe. So scheint das Online-Experiment zu belegen, dass bereits ein kurzfristiges Training der Achtsamkeit fremdenfeindliche Vorurteile zu reduzieren vermag.

Bildergallerie überspringen.

Bei einem weiteren netzbasierten Forschungsprojekt unter der Leitung von Dr. Mikhof wurden gesundheitsrelevante Aspekte in Fernbeziehungen, die in der heutigen Zeit berufsbedingt immer häufiger vorkommen, im Vergleich zu Nahbeziehungen erforscht. Es zeigte sich, dass sich beide Arten der Beziehungen vielfach ähneln: Die Partnerschaftszufriedenheit, die Liebesstile und die Stressbewältigung scheinen vergleichbar zu sein. Bereits die Tatsache in einer Beziehung zu sein, hat einen förderlichen Effekt auf die Gesundheit, besonders bei Männern. Je höher allerdings der Stresspegel, desto geringer ist die Partnerschaftszufriedenheit. Das Glück in der Partnerschaft trägt zu einer höheren allgemeinen Lebenszufriedenheit sowohl in Nah- als auch in Fernbeziehungen bei.

Die Online-Erhebung von Daten kann in unserer schnelllebigen und digital geprägten Zeit ein vielversprechender Weg zur Erforschung von Gesundheit und Glück sein.


 

Internetzugang in Deutschland

Laut dem D21-Digital-Index 2016 sind 79 Prozent der Bevölkerung in Deutschland online – sogar 69 Prozent in der Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen. Die Gesellschaftsstudie D21-Digital-Index bietet ein jährliches Lagebild zum Digitalisierungsgrad der Gesellschaft in Deutschland. Befragt werden rund 33.000 Bundesbürger*innen ab 14 Jahren inklusive Offliner. Der D21-Digital-Index bildet damit die gesamte deutsche Bevölkerung ab.

Laut ‚ARD/ZDF-Onlinestudie 2016‘ steigt im Jahr 2016 die Anzahl der Internetnutzer in Deutschland um zwei Millionen auf 58 Millionen, dies entspricht knapp 84 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren. Täglich rufen 65 Prozent bzw. 45 Millionen Menschen Netzinhalte ab.

Text: Tanja Breukelchen, freie Journalistin
Aufmacher: hsg/Volker Wiciok

Dr. Bernd Krahl (Ambulanticum), Prof. Dr. Sascha Sommer (hsg), Prof. Dr. Anne Friedrichs (hsg), Arndt Winterer (LZG.NRW) und Patientin Andrea Dargatz am Gangroboter bei der Übergabe des Förderbescheids im Ambulanticum.
forschen & entwickeln
|
8. März 2017

Neue Wege in der Neuro­rehabilitation

Geräte- und robotergestützte Therapien, digitalisierte Erfolgskontrolle: Was vor ein paar Jahren noch wie Science Fiction geklungen ...
Diese App unterstützt den physiotherapeutischen Prozess. Foto: hsg/Volker Wiciok
forschen & entwickeln
|
5. April 2017

Technik für die Physiotherapie

Von der Digitalisierung profitieren: Die App TheraAssist unterstützt Physiotherapeut*innen Diagnostik und Therapien zu strukturieren und ...