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DAS ONLINE-MAGAZIN DER HOCHSCHULE FÜR GESUNDHEIT IN BOCHUM

Das Arbeitsleben mit dem Bachelor-Abschluss ‚Gesundheit und Diversity‘

Der erste Jahrgang des Bachelor-Studiengangs ‚Gesundheit und Diversity‘ der Hochschule für Gesundheit (hsg) hat seinen Platz auf dem Arbeitsmarkt gefunden. Auch die 25-jährige Laura Pohl hat nach einer Ausbildung zur Pharmazeutisch Technischen Assistentin (PTA) ‚Gesundheit und Diversity‘ studiert. Hier erzählt die gebürtige Bochumerin, was ihr das Studium an der hsg für ihr Berufsleben bisher gebracht hat.

Warum haben Sie sich für den Studiengang ‚Gesundheit und Diversity‘ entschieden?

Laura Pohl: Für mich stand schon früh fest, dass ich im Gesundheits- und Sozialwesen arbeiten möchte. So entschied ich mich eine Ausbildung als PTA zu machen. Die Erfahrungen, die ich während meiner Ausbildung und bei der Beratung in der Apotheke von den unterschiedlichsten Menschen mit den unterschiedlichsten Bedarfen machen konnte, hat mir gezeigt, welcher Handlungsbedarf nicht nur aus der medizinischer Seite bei der Versorgung der Menschen besteht. Ebenso fehlt oftmals eine Aufklärung über Versorgungsangebote beziehungsweise es fehlen Angebote der Versorgung für bestimmte Personengruppen aus der Gesellschaft, wie zum Beispiel für alte Menschen.

Mit dem Studiengang ‚Gesundheit und Diversity‘ soll die Schnittstelle zwischen Gesundheit und Bildung hergestellt werden und zwar besonders für Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung, ihres Alters, ihres Geschlechts oder ihrer Herkunft, nicht ausreichend von den Versorgungsstrukturen erreicht werden. So sollen mit Blick auf die Gesundheit gezielt präventive und gesundheitsfördernde Angebote für eine Zielgruppe entwickelt werden, die bislang durch bestehende Angebote nicht erreicht wird oder für die es noch keine spezifischen Angebote gibt. Aus diesem Grund war der Studiengang ‚Gesundheit und Diversity‘ genau das, was ich studieren wollte, da es in Zukunft durch die gesellschaftlichen Veränderungen immer wichtiger wird, die Individualität und Vielfalt der Menschen zu beachten.

Sie gehören ja zu den ersten Studierenden, die diesen Studiengang absolviert haben. Müssen Sie oft erklären, was Sie mit ‚Gesundheit und Diversity‘ genau studiert haben?

Pohl: Ja, zu Beginn des Studiums musste ich sehr oft erklären was überhaupt „dieses Diversity“ ist. Nur sehr wenige Menschen konnten mit dem Begriff ‚Diversity‘ etwas anfangen. Das hat sich über die Zeit hin etwas verändert, da es mittlerweile schon einige Studierende gib, die ‚Gesundheit und Diversity‘ lernen und wir uns durch die vielen Praxiseinsätze des Studiengangs in der Fachwelt präsentieren konnten. Zudem ist der Begriff ‚Diversity‘ in den letzten Jahren Thema verschiedener Veranstaltungen geworden und wir haben in Deutschland sogar seit ein paar Jahren den ‚Diversitytag‘, der immer bekannter wird.

Die Reaktionen der Personen, denen ich erzähle, was ich studiere, sind übrigens total unterschiedlich: Von Begeisterung und Worte wie „Das hat wirklich gefehlt, toll!“ angefangen bis hin zu „Was soll der Quatsch jetzt schon wieder?“ war tatsächlich alles dabei. Anfangs haben mich negative Äußerungen noch mehr gestört, doch je mehr ich Fuß in der Berufswelt fasse und je länger ich im Gesundheits- und Sozialwesen arbeite, desto weniger stören mich solche Äußerungen. Vielleicht kann ich diesen negativen Ansichten inzwischen auch einfach besser und aussagekräftiger entgegentreten.

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Laura Pohl (Mitte) mit ihrem Team beim Start des Projektes FIPS „Flüchtlinge integrieren psychosozial“ der Soforthilfe Herne. Foto: St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr

Wo arbeiten Sie denn jetzt und was sind dort Ihre Aufgaben?

Pohl: Ich arbeite bei der St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr und bin dort eingesetzt bei der Soforthilfe Herne, einer Kooperation der St. Elisabeth Gruppe mit dem Caritasverband Herne e.V.. Die Soforthilfe Herne ist eine Notfallberatungsstelle für Bürger*innen der Stadt Herne, die sich in Lebenskrisen befinden. Wir vermitteln individuelle Hilfe und Unterstützung innerhalb von 24 Stunden und an 365 Tagen im Jahr, dazu zählen unter anderem die Vermittlung von ambulanter psychiatrischer Hilfe und Unterstützungsleistungen für Familien. Die Soforthilfe hat ihr Büro im St. Marien Hospital Eickel, wodurch eine schnelle Versorgung von psychiatrischen Krisen möglich wird.

Im Rahmen meines Praxissemesters bei der Soforthilfe in Herne durfte ich ein Projekt für Flüchtlinge mit psychosozialen Beratungs- und Unterstützungsbedarf entwickeln, wofür ich nun die Projektkoordination habe. Das Projekt heißt FIPS- Flüchtlinge integrieren psychosozial und wird durch das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen mit 30.000 Euro gefördert. Im Rahmen des Projektes richte ich zurzeit eine Sprechstunde an Kindertagesstätten und Schulen für Familien mit minderjährigen geflüchteten Kindern und unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ein, die einen psychosozialen Beratungsbedarf aufweisen.

Zusammen mit weiteren Projektbeteiligten habe ich mir als Ziel gesetzt, die Situation geflüchteter Familien mit minderjährigen Kindern und unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, die mit psychischen und psychosozialen Belastungen konfrontiert sind, zu verbessern. Durch einen niederschwelligen Zugang zum Beratungs- und Unterstützungsangebot soll eine psychische Störung besser verhindert werden können. Ebenso soll die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gefördert werden.

Warum haben Sie sich nach Ihrem Studium von ‚Gesundheit und Diversity‘ an der hsg für genau diesen Beruf entschieden?

Pohl: Die Soforthilfe beschäftigt sich mit verschiedenen Diversity-Aspekten und keine Personengruppe wird von dem Angebot der Soforthilfe ausgeschlossen. Somit bietet sie einen guten Zugang und Einblick in die verschiedenen Diversity-Bereiche. Die Projektplanung ist ein wesentlicher Bestandteil des Studieninhaltes. Das theoretische Wissen kann ich nun in der Praxis umsetzen und praktische Erfahrungen in der Projektarbeit sammeln. Und während der Arbeit hat sich mein Interesse in der Projektarbeit, welches ich auch schon während der theoretischen Einheiten des Studiums hatte, intensiviert. Ich habe einfach Spaß und Freude, Angebote der Versorgung zu entwickeln. Ganz besonders interessiert mich die Zielgruppe der Mütter mit einer geistigen Behinderung, womit sich auch meine Bachelor-Arbeit befasst hat. Für diese und mit dieser Zielgruppe zu arbeiten wäre auch sehr in meinem Interesse.

Hat das Studium an der hsg Sie gut auf das Berufsleben vorbereitet?

Pohl: Wie schon erwähnt, besteht meine Arbeit zurzeit aus einer Projektarbeit. Das Studium hat mir die theoretischen Grundlagen vermittelt, welche mir nun total hilfreich und notwendig sind, um effektiv etwas zu entwickeln. Zudem hat mich das Studium gut auf den Umgang mit den verschiedenen Diversity-Aspekten vorbereitet und mich noch mehr im Umgang mit Menschen sensibilisiert. Der relativ hohe Praxisanteil im Studium an der hsg hat hier sicherlich seinen Teil dazu beigetragen.

Kommt für Sie persönlich auch noch ein Master-Studium in Frage?

Pohl: Auf jeden Fall. Ich möchte mein Wissen weiterhin vertiefen und meine wissenschaftlichen Kompetenzen und Fähigkeiten, die sich während meines Bachelorstudiums herausgebildet haben, festigen. Ich möchte die gesundheitliche Versorgung der Gesellschaft, vor allem der Personen, die bislang nicht so gut versorgt sind, zugänglicher machen beziehungsweise neue Strukturen hierfür entwickeln.

„Das Studium hat mir die theoretischen Grundlagen vermittelt, welche mir nun total hilfreich und notwendig sind, um effektiv etwas zu entwickeln.“ Laura Pohl

Würden Sie Ihren Studiengang weiterempfehlen?

Pohl: Nach den drei Jahren kann ich mit gutem Gewissen den Studiengang ‚Gesundheit und Diversity‘ anderen Studieninteressierten im Bereich Gesundheits- und Sozialwesen weiterempfehlen. Wir Absolventen*innen des Studiengangs erlernen Kompetenzen und Fähigkeiten, die sehr zukunftsorientiert an die gesellschaftlichen Veränderungen angepasst sind. Dies ist sehr wichtig, um erfolgreich die Gesundheit der Menschen zu fördern.

Ich empfehle anderen Studierenden, ihre Praxiseinsätze auch mal in Bereichen zu machen, die sie eventuell nicht auf Anhieb interessieren. Ich weiß aus Erfahrung, dass man vom Gegenteil überrascht werden kann und sich daraus andere berufliche Wege auftun können.

Was ist ihr nächster beruflicher Schritt?

Pohl: Als nächstes begebe ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Master-Studium, was nicht so einfach ist. Aber ich bin doch recht optimistisch eingestellt, dass ich noch etwas Passendes finden werde. Zudem hoffe ich, dass das Projekt FIPS möglichst viele Personen der genannten Zielgruppe erreicht und wir ihre psychosoziale Situation verbessern können. Natürlich würde es mich persönlich auch stolz machen, dass sich das viele Lernen während des Studiums gelohnt hätte, wenn sich ein Erfolg in dem Projekt aufzeigen würde.


 

Das Interview führte Dr. Anna Knaup, Online-Redakteurin des hsg-magazins.
Aufmacher: hsg

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