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DAS ONLINE-MAGAZIN DER HOCHSCHULE FÜR GESUNDHEIT IN BOCHUM

Gesundheitsversorgung in Tansania

7.165 km – so weit von Bochum entfernt liegt das Reiseziel einer Gruppe von zwei Professoren, zwei Mitarbeitenden und fünf Studierenden der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum). Die Gruppe wird am 2. Dezember 2019 nach Daressalaam in Tansania reisen, um das Gesundheitssystem des ostafrikanischen Landes kennenzulernen. Geplant sind Besuche in verschiedenen Krankenhäusern des Landes sowie ein Besuch an der University of Dodoma. Organisiert wird die zweiwöchige Exkursion von Prof. Dr. med. Carsten Krüger. Im Interview erzählt der Professor für Medizin mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendmedizin an der hsg Bochum, was ihn mit dem Land Tansania verbindet und was die Reisenden bei ihrer Exkursion erwartet.

Sie haben von 1997 bis 2000 selbst in Tansania gelebt und gearbeitet – wie kam es dazu?

Prof. Dr. med. Carsten Krüger: Also das war natürlich eine schöne Zeit (lacht) – zwar mit viel Arbeit verbunden, aber es war trotzdem toll. Meine Frau und ich haben beide Medizin studiert und uns im Studium kennengelernt – wie das bei Medizinern wohl öfter mal der Fall ist. Dann haben wir in Deutschland erst einmal unsere Facharztausbildung gemacht. Meine Frau ist Allgemeinmedizinerin und Internistin, ich bin Kinderarzt. Wir haben dann nach einer Möglichkeit gesucht, unser Fachwissen im Ausland einzubringen. Dazu muss man wissen, dass Ärzte früher – wenn sie ins Ausland geschickt wurden – erst einmal so ziemlich alles machen sollten. Wir sind aber beide keine Operateure; daher kam eine Tätigkeit, bei der man alle Fachgebiete abdecken muss, nicht in Frage.

Und wie sind Sie dann auf Tansania gekommen?

Krüger: Wir haben über enge Freunde, die selbst in Tansania gelebt haben, gehört, dass eine Stelle für einen Kinderarzt am Haydom Lutheran Hospital, einem Krankenhaus in Tansania, frei wird. Damals hatten wir schon unsere drei ersten Kinder – die waren aber alle noch klein, und so haben wir gesagt, das passt gut, und sind nach Nord-Zentraltansania gegangen. Zwar in ein etwas abgelegenes Gebiet, welches aber für uns als Familie ein sehr guter Ort zum Leben war. Nachdem wir uns ein wenig eingelebt hatten, war meine Frau ebenfalls ärztlich tätig und hat halbtags die Innere Medizin des dortigen Krankenhauses geleitet. Zurückgekommen nach Deutschland sind wir, als unsere Kinder eingeschult werden mussten.

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Prof. Dr. med. Carsten Krüger bei seiner Arbeit in Tansania. Foto: privat

Was können Sie unseren Leser*innen über Tansania als Land erzählen?

Krüger: Das Land selbst ist fantastisch – zweieinhalbmal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland und geografisch sehr vielseitig. An der Küste findet man tropische Gebiete mit feuchtem, heißen Klima, der Rest des Landes ist eine Art Hochplateau: der Kilimandscharo, der höchste Berg Afrikas, liegt ebenfalls dort. Es gibt aber auch große Seen, wie den Tanganjika-See, den Malawisee oder den Viktoriasee. Die Landschaft ist sehr vielseitig, allerdings werden dort leider viele der Wälder abgeholzt, weil die Menschen Brennholz brauchen. Die Tierwelt ist für uns als Europäer überwältigend. Die Bevölkerung ist sehr herzlich. Man geht von etwas mehr als 120 Ethnien in Tansania aus – das heißt, so viele Sprachen werden dort gesprochen. Im Dezember, wenn wir dort ankommen, ist übrigens Sommerzeit in Tansania. Das heißt, tagsüber 40 bis 45 Grad, in der Nacht über 20 Grad und an der Küste bis zu 100 Prozent Luftfeuchtigkeit.

Was sollten die Teilnehmer*innen der Exkursion bei der Kultur des Landes beachten?

Krüger: Man muss sich schon den Landesgepflogenheiten des Landes anpassen. Das Land ist – an der Küste – arabisch geprägt. Man sollte als Mann außer im Freizeitbereich keine kurzen Hosen tragen. Als Frau sollte man immer die Knie bedeckt haben und auch keine Spagettiträger tragen. Für die Verständigung ist es wichtig zu wissen, dass Englisch in Tansania nicht so weit verbreitet ist wie in anderen afrikanischen Ländern. Das liegt daran, dass es in Tansania eine eigene afrikanische Landessprache gibt: Swahili, eine Bantusprache.

Und kulinarisch?

Krüger: Ich muss sagen, kulinarisch ist das Land schwierig zu beschreiben. Es gibt Einflüsse der indischen Küche, das heißt, sehr scharf gewürztes Essen. An der Küste gibt es auch arabische Einflüsse mit den entsprechenden Gewürzen. Aber im Grunde besteht das Hauptessen aus einem Maisbrei, der in der festen Form Ugali und in der flüssigen Form Uji heißt. Dazu wird eine undefinierbare Soße (lacht) gereicht, weiter gibt es entweder Hühnchen oder Schweinefleisch – regional abhängig auch Ziege oder Schaf. Wobei das Fleisch nicht wie bei uns vom Knochen befreit wird – da muss man aufpassen. Meist gibt es ein bisschen Gemüse dazu, also das, was es gerade zu kaufen gibt. Tomaten, Gurken oder eine Art Blattspinat. Frühstück besteht aus Chai (Tee) mit Zucker oder Milch und Weißbrot. Aufschnitt wie Käse oder Wurst gibt es nicht, denn die meisten Leute haben keinen Kühlschrank. Obst gibt es noch relativ viel, aber da muss man aufpassen. Als Tropenmediziner möchte ich hier die oberste Regel der Reisemedizin zitieren: Peel it, boil it, cook it or leave it. Also Früchte schälen, kochen oder braten und ansonsten die Finger davonlassen.


Interview: Die Fragen stellte Judith Merkelt-Jedamzik, Online-Redakteurin des hsg-magazins. Der Text erschien am 21. November 2019 im hsg-magazin.

Aufmacher: Zu sehen ist das Haydom Lutheran Hospital in Tansania, in dem Carsten Krüger als Kinderarzt gearbeitet hat. Foto: hsg Bochum/Carsten Krüger

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