hsg-magazin

DAS ONLINE-MAGAZIN DER HOCHSCHULE FÜR GESUNDHEIT IN BOCHUM

Hilfsangebote sichtbar machen

Wo finde ich kurzfristig eine Kinderbetreuung? Wer hilft mir, meinen erkrankten Verwandten zu pflegen? Wer gibt mir einen Kontakt für die Nachbarschaftshilfe? Seit Beginn der Corona-Pandemie haben Bürger*innen spontan neue Herausforderungen zu lösen. Schnell gab es auch zahlreiche Angebote. Doch wie erfahren Menschen, die diese benötigten, schnell und unkompliziert davon? Dabei hilft seit Mai 2020 eine Online-Plattform, die in einem Gemeinschaftsprojekt der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum) und der Hochschule Bochum (HSBO) entstanden ist. Das hsg-magazin hat Daniel Simon nach den Erfahrungen der ersten sechs Monate bei der Betreuung der Plattform gefragt.

Daniel Simon ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der hsg Bochum und hat die Plattform Covid-Coping-Melder mitentwickelt. Die Meldeplattform ist das Ergebnis einer spontanen Zusammenarbeit der Wissenschaftler*innen im Department of Community Health der hsg Bochum und der Hochschule Bochum aus dem Fachbereich Geodäsie. Sie richtet sich an die breite Öffentlichkeit und soll eine durchsuchbare Sammlung an Initiativen in Deutschland bieten.

Sie haben im Frühjahr gemeinsam mit Ihren Kolleg*innen der Hochschule Bochum schnell und effektiv diese Plattform entwickelt. Wie kam es zu der Idee?

Daniel Simon: Ursprünglich war ein Online-Marktplatz für Hilfsangebote angedacht. Die Idee wurde jedoch letztlich aus rechtlichen und organisatorischen Gründen verworfen. Stattdessen wollten wir die Vielzahl an Hilfsangeboten und Ideen per Crowdsourcing sammeln und öffentlich zugänglich machen. Das Formular zur Erfassung war schnell erstellt, jedoch fehlte uns eine Möglichkeit, die Angebote ohne viele Zwischenschritte zu veröffentlichen. Also wandten wir uns an Prof. Dr. Andreas Wytzisk vom Fachbereich Geodäsie der HSBO, da wir dort eine entsprechende Expertise vermuteten. Wie der Zufall wollte, passte eine aktuelle Entwicklung der Geodät*innen (Anmerkung der Redaktion: Geodät*innen sind Wissenschaftler*innen auf dem Gebiet der Geodäsie, also der Wissenschaft von der Vermessung der Erde und Technik ihrer Vermessung.) – der KomMonitor – perfekt zu unserem Vorhaben. Da der Programmcode des KomMonitors quelloffen ist, war eine Nutzung problemlos möglich. Mit der Hilfe seines Entwicklers, Christian Danowski-Buhren, konnte der KomMonitor kurzfristig auf unsere Bedarfe angepasst und mit unserem Erhebungssystem verbunden werden. So war die Plattform innerhalb von drei Wochen startklar.

Wonach haben Sie die Angebote sortiert?

Simon: Die im Covid-Coping-Melder gesammelten Daten können anhand von drei Merkmalen gefiltert werden. Erstens nach der Art des Zugangs, also ob das Angebot telefonisch, im Internet oder über eine physische Anlaufstelle erreichbar ist. Dabei gibt es natürlich Überschneidungen, wenn ein Angebot alle drei Zugangsarten anbietet. Die zweite Filterkategorie beschreibt die Art des Angebots. Hier wird unterschieden, ob ein Angebot professionell oder bürgerschaftlich organisiert ist. Darüber hinaus gibt es Beispiele zum Selbermachen und Beispiele für gute Aktionen einer Stadtverwaltung. Angebote, die nicht in die genannten Kategorien passen, fallen unter ‚Etwas anderes‘. Als dritter Filter dienen die Zielgruppen eines Angebots. Hier wird differenziert nach Altersgruppen oder Geschlecht sowie in der Pandemie besonders stark betroffenen Personengruppen, wie Obdachlose.

"Die im Covid-Coping-Melder gesammelten Daten werden anhand von drei Merkmalen gefiltert."

Für welche künftigen Anwendungen könnte das entwickelte Tool eingesetzt werden?

Simon: Grundsätzlich kann das Tool für viele erdenkliche Zwecke genutzt werden, in denen es darum geht raumbezogene Daten zu erheben und darzustellen. Die genaueren Inhalte, also was erhoben oder kartiert wird, können jeweils den Bedarfen frei angepasst werden. Technisch gesehen besteht der Covid-Coping-Melder aus zwei Komponenten: Dem Formular zur Eingabe der darzustellenden Daten und dem Webviewer, der die eingegebenen Daten darstellt. Ersteres basiert auf KoboToolbox, einem frei zugänglichen und quelloffenen Erhebungssystem, das ohne Programmierkenntnisse nutzbar ist. Letzteres, der KomMonitor, der ebenfalls quelloffen zur Verfügung gestellt wird, muss von jemandem mit Programmierkenntnissen an die darzustellenden Daten angepasst werden.


Die Meldeplattform Covid-Coping

Auf der Plattform https://covid-coping.hs-bochum.de/ kann jede Person, die ein Positivbeispiel melden möchte, einen neuen Eintrag erstellen. Nach einer manuellen Prüfung des Eintrags, um Missbrauch vorzubeugen, werden die Einträge freigeschaltet. Gesucht werden kann mit Hilfe eines Stichwortfilters und nach der Art des Zugangs per Telefon, vor Ort oder im Internet. Es sind Angebote aus ganz Deutschland zu finden.


Text: Das Interview führte Dr. Christiane Krüger, Leiterin des hsg-magazins. Der Text erschien am 11. Dezember 2020 im hsg-magazin.

Aufmacher: Zu sehen ist Daniel Simon. Foto: hsg Bochum/Volker Wiciok

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