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Foto: shutterstock/3rdtimeluckystudio

„Jedes Anliegen, welches dazu führt, dass sich jemand nicht gut fühlt, ist bei mir richtig.“

3. April 2024

In belastenden Situationen kann ein Gespräch mit einem außenstehenden Menschen genau die richtige Hilfe sein, das bedrückende Gefühl zu minimieren, Lösungswege zu finden und Entscheidungen zu treffen. Die Hochschule für Gesundheit (HS Gesundheit) in Bochum bietet allen Studierenden eine hochschulinterne Psychosoziale Beratung an. Was die Sprechstunde ausmacht und welche drei Tipps Maren Daniel Studierenden mitgeben würde, das verrät die Diplom-Sozialpädagogin, die bereits in verschiedenen Beratungssettings im sozialen Sektor tätig war und Weiterbildungen, unter anderem zur Coachin für Psychische Gesundheit, Krisenberaterin sowie Stressmanagement- und Resilienz-Trainerin absolviert hat, im Interview.

Wie kann die Psychosoziale Beratung Studierenden helfen?

Maren Daniel: Die Psychosoziale Beratung kann Studierende dabei unterstützen, herausfordernde Situationen zu bewältigen. Das „wie“ ist dabei ganz unterschiedlich. Oftmals stehen die Herausforderungen in einem direkten Zusammenhang mit dem Studium. Das kann zum Beispiel die Angst vor Prüfungen sein oder ein prokrastinierendes Verhalten, also das chronische und aktive Aufschieben des Lernens und anderer Anforderungen im Studienverlauf. In der Psychosozialen Beratung können Auslöser identifiziert werden, um individuelle und funktionale Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Studierende, die Unterstützung bei der Bewältigung von Hochanspannungssituationen wie zum Beispiel bei Panikattacken vor Prüfungen brauchen, stelle ich in der Beratung unter anderem Skills beziehungsweise Fertigkeiten vor, die sie aus einem starken Angstgefühl herausholen und die Anspannung regulieren können. Die einzelnen Skills können auch zu einer individuellen Skillskette, welche aus Imaginationsübungen, sensorischen Anreizen wie der Nutzung eines Akkupressurrings und kognitiven Strategien bestehen kann, zusammengesetzt werden. Die Skillsketten können trainiert und in Akutsituationen eingesetzt werden. Grundsätzlich möchte ich Studierenden in emotionaler Not mit der Anlaufstelle Rückhalt bieten – vertraulich, wertschätzend und niedrigschwellig erreichbar.

Foto: HS Gesundheit
Maren Daniel, Psychosoziale Beraterin.

Die Anliegen der Studierenden können auch den persönlichen Lebensbereich betreffen.

Maren Daniel: Das ist richtig, die Anliegen umfassen eine große Bandbreite von Themen wie Einsamkeit, ein geringes Selbstvertrauen, die sexuelle Orientierung, Gewalt in der Partnerschaft oder familiäre Beziehungskonflikte, welche sich auf die Studierfähigkeit auswirken können. In der Psychosozialen Beratung kann entweder ein Gespräch an sich bereits entlasten, wenn Studierende ihre Sorgen in einem vertraulichen Rahmen ausformulieren können. Bei anderen Studierenden kann ich mit verschiedenen Tools und Fragetechniken Impulse zur Reflexion bieten.

So können systemische Zusammenhänge sichtbar gemacht und neue Perspektiven sowie Handlungsoptionen ermöglicht werden. Weitere Studierende kommen wiederum bereits mit konkreten Veränderungswünschen und Zielen, sodass wir in der Beratung realistische Zwischenschritte erarbeiten können, die später überprüfbar sind. Hin und wieder sind Studierende unsicher, ob ihr Anliegen „groß genug“ oder „zu groß“ sei, dass sie damit zu mir kommen dürften. Gerne möchte ich betonen: Jedes Anliegen, welches dazu führt, dass sich jemand nicht gut fühlt, ist bei mir richtig. Das kann auch bedeuten, dass jemand sagt: „Ich weiß nicht mal einen Grund, weil eigentlich alles in Ordnung ist, aber mir geht es schlecht.“ Manchmal können Auslöser, welche an sich banal wirken, tiefgreifende Krisen hervorrufen oder frühere belastende Erfahrungen reaktivieren. Andersherum ist auch kein Anliegen „zu groß“, da wir immer gemeinsam schauen können, was ich in der Psychosozialen Beratung leisten kann oder welche weitergehenden Hilfen sinnhaft sind. Psychische Erkrankungen kann ich beispielsweise nur unterstützend begleiten, da das Angebot der Psychosozialen Beratung keine Psychotherapie ersetzen kann und darf.

Welchen Vorteil hat es mit einem außenstehenden Menschen über seine Sorgen zu sprechen?

Maren Daniel: Eine außenstehende Person ist emotional nicht in das Geschehen involviert. Die Studierenden haben in der Psychosozialen Beratung einen vertraulichen Rahmen, um ihre Situation zu reflektieren, ohne dass Befindlichkeiten von anderen betroffenen Personen mit hineinspielen. Als Beraterin kann ich eine Außenperspektive einnehmen und somit den gemeinsamen Blick auf die Metaebene ermöglichen.

Was passiert mit dem, was die Studierenden Ihnen anvertrauen?

Maren Daniel: Ich unterliege der Schweigepflicht.

Wie ist der Ablauf solch einer Beratungsstunde?

Maren Daniel: Eine Beratung dauert in der Regel 45 – 60 Minuten und kann in Präsenz oder digital erfolgen. Nach etwas Smalltalk, schildern die Studierenden mir in der Regel den Auslöser für ihre Beratungsanfrage. Wichtig ist es mir, mit den Studierenden gemeinsam zu reflektieren, wie ich ihnen am besten helfen kann. Reicht ihnen das reine „Abladen“ im Gespräch zur Entlastung, sollen wir uns auf bestimmte Themen fokussieren und gezielt daran arbeiten oder geht es ausschließlich um konkrete Fragen zum Beispiel wie eine passende psychotherapeutische Behandlung gefunden werden kann. Je nachdem wie stark sich die Studierenden belastet fühlen, sind auch mehrere Gesprächstermine möglich.

Es gibt auch zwei Gruppenangebote: Zu welchen Schwerpunkten?

Maren Daniel: Eine Gruppe habe ich für Studierende konzipiert, die sich Anschluss oder mehr Anschluss zu anderen Studierenden wünschen und oftmals Selbstwertprobleme formulieren. Hier geht es um ein gemeinsames Empowerment, so dass das Selbstvertrauen gefördert wird und neue Potentiale entdeckt werden können. Die andere Gruppe beschäftigt sich mit dem Thema Prüfungsangst. Auch für mich ist es oft bereichernd zu hören, welche kreativen Umgangsweisen mit der Angst die Studierenden bereits entwickelt haben und welche Ratschläge sich die Teilnehmenden untereinander geben. Das gemeinsame Arbeiten an verschiedenen Aufgaben, thematische Inputs sowie besonders der Austausch mit Gleichgesinnten, bieten in den Gruppen ein wertvolles Weiterentwicklungspotential. In Kleingruppen mit 6 bis 8 Studierenden treffen wir uns jeweils über mehrere Wochen für je 1,5 Stunden. Über das Career-Service-Programm werden zudem auch weiterhin pro Semester zwei Workshops zu den Themen „Stressbewältigung im (Studien-)Alltag“ und „Keine Angst vor der (Prüfungs-)Angst“ angeboten. Neben der telefonischen Sprechstunde, montags von 9:00-10:00 Uhr, haben die Studierenden auch hier die Möglichkeit, mich vor einer Beratung etwas kennenzulernen.

Diplom-Sozialpädagogin Maren Daniel: „Die Psychosoziale Beratung kann Studierende dabei unterstützen, herausfordernde Situationen zu bewältigen.“

Welche drei Tipps würden Sie Studierenden für ihre Studienzeit mitgeben?

Maren Daniel: Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Jede*r Studierende*r braucht mit einer individuellen Persönlichkeit, einer komplexen Lebensgeschichte und unterschiedlichen Herausforderungen im (Studien-)Alltag, wie zum Beispiel dem Schichtdienst im Krankenhaus, etwas Anderes. Grundsätzlich würde ich aber zunächst empfehlen immer wieder in sich hinein zu spüren und zu hinterfragen: Geht es mir gerade einigermaßen gut? Gibt es innere oder äußere Stressoren, welche mich beeinträchtigen? Kann ich „im Außen“ etwas daran ändern oder kann ich mir eine innere Haltung dazu erarbeiten? Des Weiteren würde ich raten, sich nicht davor zu scheuen Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das kann zum Beispiel auch die Unterstützungen durch den Career Service bei Fragen zur Berufsorientierung sein oder das Lehr-Lernzentrum für Tipps zum effizienten Zeitmanagement. Mein dritter Rat wäre, sich kleine Auszeiten im Alltag zu gönnen, die guttun, um immer wieder Kraft zu tanken und die Studienzeit auch genießen zu können.


Die Kontaktdaten von Maren Daniel und weitere Informationen zur Psychosozialen Beratung sind auf der Website der HS Gesundheit zu finden.

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