hsg-magazin

DAS ONLINE-MAGAZIN DER HOCHSCHULE FÜR GESUNDHEIT IN BOCHUM

Mit medizinischen Daten Krebs bekämpfen

Das Landeskrebsregister NRW (LKR NRW) ist – genau wie die Hochschule für Gesundheit in Bochum – Partner des Gesundheitscampus NRW. Durch eine enge Vernetzung sollen die Einrichtungen des Gesundheitscampus die Herausforderungen im Gesundheitswesen für die Menschen in Nordrhein-Westfalen meistern. Im Interview erzählt Prof. Dr. Andreas Stang, ärztlicher Leiter des Landeskrebsregisters NRW, welche Aufgabe das LKR NRW dabei erfüllt und Geschäftsführer Dr. Andres Schützendübel stellt das Landeskrebsregister NRW als Arbeitgeber vor.

Was sind die Aufgaben des Landeskrebsregisters NRW?

Prof. Dr. Andreas Stang: Der Kampf gegen Krebs ist eine der wichtigsten Herausforderungen der gesundheitlichen Versorgung der Menschen in Nordrhein-Westfalen und in Deutschland. Das Landeskrebsregister NRW übernimmt mit der Erfassung und Auswertung von onkologischen Daten hier eine zentrale Aufgabe. Ziel ist es, die Grundlagen für Prävention, Krebsfrüherkennung, Forschung und Verbesserung der Behandlungsqualität zu schaffen, um die Lebensqualität und die Überlebenschancen des Einzelnen zu verbessern. Es gehört mit seinem Einzugsgebiet von knapp 18 Millionen Menschen zu den größten Krebsregistern in Europa. Damit stellt das LKR NRW eine Datenbasis für klinische und epidemiologische Auswertungen zur Verfügung, die Forschungsvorhaben zu Krebserkrankungen, Behandlungs- und Versorgungsqualität erst möglich machen. Zu den Daten, die erfasst werden, zählen Diagnose-, Verlaufs- und Therapiemeldungen. Diese werden von Kliniken, onkologischen Praxen und niedergelassenen Ärzt*innen an das LKR NRW gemeldet. Der Meldevorgang selbst unterliegt den höchsten datenschutzrechtlichen Bestimmungen.

Was geschieht mit den Daten, die Sie erheben?

Stang: Die gemeldeten Daten werden in einem aufwändigen Verfahren im LKR NRW in persönliche und klinische Daten getrennt und verschlüsselt. Im weiteren Verlauf werden die Daten nach epidemiologischen und klinischen Kriterien ausgewertet. Die zentrale Aufgabe der epidemiologischen Auswertung ist die bevölkerungsbezogene Auswertung des Krebsgeschehens in Nordrhein-Westfalen. Die Ergebnisse werden sowohl für die Gesundheitsberichtserstattung als auch für interne und externe Forschungsprojekte genutzt. Bei der klinischen Auswertung liegt der Fokus auf der Behandlung von Krebserkrankungen. Hier werden der gesamte Verlauf und die Therapie der Erkrankung der einzelnen Patient*innen ausgewertet. Die Ergebnisse werden an die Leistungserbringer, die Kliniken, die onkologischen Praxen und die niedergelassenen Ärzt*innen zurückgemeldet. Die regelmäßigen Rückmeldungen dienen der kontinuierlichen Verbesserung der Behandlungsqualität und der Therapieformen.

Ist das Landeskrebsregister ein potentieller Arbeitgeber für hsg-Absolvent*innen und wenn ja, in welchem Bereich?

Dr. Andres Schützendübel: Ja, sicherlich ist das LKR NRW ein potenzieller Arbeitgeber für die Absolvent*innen der hsg. Viele Studieninhalte insbesondere der Studiengänge ‚Evidence-based Health Care‘ (Anmerkung der Readaktion: Dieser Studiengang wird zum Wintersemester 2020/2021 durch den Masterstudiengang Angewandte Gesundheitswissenschaften ersetzt) und ‚Gesundheitsdaten und Digitalisierung‚ tragen zur Ausbildung fachlicher Kompetenzen bei, die im LKR NRW dringend benötigt werden. Vor allem die klinische Auswertung der Krebsregisterdaten entwickelt sich dynamisch durch die stetig steigende Zahl von Meldern und Meldungen. Gleichzeitig ist die Behandlungs- und Versorgungsforschung eine relative junge Wissenschaft, die sich sehr schnell weiterentwickelt und damit wird auch ein steigender Bedarf an Expert*innen im medizinischen Informationsmanagement benötigt. In Zukunft werden insbesondere Generalist*innen benötigt, die angefangen bei der Dokumentation über das Datenbankmanagement großer Daten, die Qualitätssicherung bis hin zur Auswertung und Präsentation von medizinischen Daten ein breites Wissen besitzen. Das medizinische Informationsmanagement stellt sich somit heute als ein modernes, vielfältiges und technisch anspruchsvolles Arbeitsgebiet dar. Medizinische Informationsmanager arbeiten an den entscheidenden Stellen zum Wohl der Menschen und deren Gesundheit. Dabei zählen Sorgfalt und ein hoher Qualitätsanspruch zu den Kernkompetenzen der Berufstätigen, wie auch der Wille zur Weiterentwicklung und Innovation.


Text: Das Interview führte Judith Merkelt-Jedamzik, Online-Redakteurin des hsg-magazins. Der Text erschien am 04. Februar 2020 im hsg-magazin.

Aufmacher: Prof. Dr. Andreas Stang (li) und Dr. Andres Schützendübel (re). Fotos: LKR NRW

Artikel teilen:
forschen & entwickeln

Versorgung von Menschen mit Krebs

Ende September 2017 nahm Jennifer Kelch, die im ersten Jahrgang ‚Gesundheit und Diversity‘ studiert hat, glücklich ihre ...
forschen & entwickeln

Per Mausklick: Gesundheits­relevante Daten online erheben

Fast jeder deutsche Erwachsene hat – laut Digital-Index – heutzutage einen Internetzugang. Eine riesige Chance, ganz besonders für ...
© 2020 Hochschule für Gesundheit, Bochum
Datenschutz / Impressum