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Neue berufliche Wege gehen

Das Ziel des Mentoring-Programms der Hochschule für Gesundheit (hsg) für den Bachelorstudiengang ‚Gesundheit und Diversity‘ ist eine Vernetzung von Studierenden mit potentiellen Berufsvertreter*innen. Gemeinsam sollen Fragestellungen rund um den Berufseinstieg erarbeitet und beantwortet werden. Im Interview erzählt dieses Mal Sabine Böhnke-Egbaria, die diplomierte Sozialpädagogin ist und im Seniorenbüro Süd beim Sozialamt der Stadt Bochum arbeitet, über ihre Teilnahme am Programm als Mentorin. In einem vorangegangenen Interview hat im hsg-magazin bereits Linda Lück von ihrer Sicht als Studentin auf das Programm berichtet.

Was war ihre Motivation, sich als Mentorin zu engagieren?

Sabine Böhnke-Egbaria: Das hatte für mich zwei Gründe: Auf der einen Seite möchte ich, dass die jungen Leute von meinem inzwischen erheblichen Erfahrungsschatz profitieren können. Sie sollen Fragen stellen können und ich möchte ihnen Anregungen mit auf den Weg geben. Auf der anderen Seite interessiert es mich von jungen Leuten zu erfahren, was sie Neues aus ihrem Berufsfeld mitbringen. Ich bin ein neugieriger Mensch und möchte mitbekommen, wie sich der Arbeitsmarkt und die Studiengänge im Sozial- und Gesundheitsbereich entwickeln.

Sie beraten seit vielen Jahren Studierende. Was sind typische Fragestellungen oder Sorgen, die junge Menschen mitbringen?

Böhnke-Egbaria: So ganz Typisches gibt es nicht. Es gibt aber Dinge, die immer wieder zentral sind. Das sind einmal fachliche Fragen, zum Beispiel dazu wie Rechtsgrundlagen für bestimmte Vorgehensweisen im Fallmanagement aussehen oder wie bestimmte Methoden in der Beratung umgesetzt werden. Ansonsten stellen Studierende viele Fragen, die den Arbeitseinstieg betreffen: Wie finde ich einen Arbeitsplatz? Wo finde ich Stellenangebote?

Was raten Sie den jungen Berufseinsteiger*innen für die heutige Zeit?

Böhnke-Egbaria: Es ist wichtig sich selbst nicht aus dem Blick zu verlieren. Die jungen Menschen sollten sich klar machen, was sie gerne tun möchten. Natürlich muss man in Arbeitsverhältnissen auch Kompromisse eingehen. Aber da sie die gewählte Arbeit vermutlich für eine lange Zeit ausüben werden, sollte diese den eigenen Interessen entsprechen. Außerdem sollten Berufseinsteiger*innen sich nicht davor scheuen sich Unterstützung zu holen, wenn sie sich überfordert fühlen. Dass es ein Mentoring-Programm an der hsg gibt, finde ich gut. Ich selber habe damals ein Anerkennungsjahr absolviert, das mir beim Berufseinstieg sehr geholfen hat. Heute ist dies in den wenigsten Studiengängen möglich. Die Studiengänge sind wesentlich vielfältiger und spezialisierter geworden, so dass die Begleitung durch Mentor*innen eine gute Möglichkeit ist.

Ihre ‚Tandem-Beziehung‘ zu den Studierenden soll ohne Hierarchien und vertraulich gestaltet sein. Gelingt dies beiden Parteien so einfach?

Böhnke-Egbaria: Das kommt auf den jeweiligen Charaktertyp an. Alleine schon weil ich älter bin als die Studierenden, sind einige von ihnen zum Beispiel zunächst sehr zurückhaltend. Das legt sich dann aber natürlich mit der Zeit. Ich finde es sehr wichtig, dass man sich auf Augenhöhe begegnet. Junge Menschen können schließlich auch oft Dinge, die ich nicht kann – da denke ich nur an die digitalen Möglichkeiten, die sich inzwischen entwickelt haben. In dem Bereich kann ich zum Beispiel ganz viel lernen. So ist die Beziehung letztlich von Geben und Nehmen geprägt.

Welchen Studierenden würden Sie das Mentoring-Programm empfehlen?

Böhnke-Egbaria: Ich würde es grundsätzlich allen Studierenden empfehlen, die sich noch orientieren möchten und nicht genau wissen, welche Stärken sie haben und wie sie sich auf dem Arbeitsmarkt präsentieren möchten. Die Studierenden, die konkrete Vorstellungen haben, werden von dem Programm weniger Nutzen haben. Eher diejenigen, die nochmal neue Berufsbereiche kennenlernen möchten, mit denen sie bisher weniger zu tun hatten, oder Anregungen von neutralen Mentor*innen brauchen, werden profitieren.

Was sollte ein*e Studierende *r für Eigenschaften mitbringen, um von dem Mentoring-Programm und dem Erfahrungsschatz der Mentor*innen bestmöglich zu profitieren?

Böhnke-Egbaria: Studierende sollen Fragen stellen und Wünsche äußern können sowie eigene Ideen und Vorstellungen haben. Als Mentorin sehe ich mich nicht in der Position stellvertretend überlegen zu können oder sollen, was der Studierende möchte. Ich würde eher fragen: „Was wünschen Sie sich? Was gibt es hier für Sie, von dem Sie glauben, dass es Sie weiterbringt?“ Die jungen Menschen sollen Eigeninitiative mitbringen und Erwartungen einfordern. Dann kann der Mentor oder die Mentorin viel gezielter darauf reagieren und überlegen, welche Möglichkeiten ausgeschöpft werden können und zum Beispiel Netzwerkpartner vermitteln.

Welche Eigenschaften sollte ein*e Mentor*in mitbringen und gibt es auch einen persönlichen Nutzen?

Böhnke-Egbaria: Ein Mentor oder eine Mentorin sollte neugierig sein und ein grundsätzliches Interesse haben, eigene Erfahrungen und fachliches Wissen weiterzugeben. Er oder sie sollte Spaß daran haben, sich eine sinnvolle Nutzung der Mentoring-Zeit zu überlegen. Ich persönlich finde es auch sehr schön mit der Hochschule für Gesundheit sowie anderen Mentorinnen und Mentoren in Kontakt zu sein. Da erfahre ich auch nochmal etwas über andere Arbeitsfelder, mit denen ich konkret nichts zu tun habe. Das finde ich spannend. Auf jeden Fall sollte eine Mentorin oder ein Mentor ‚über den Tellerrand‘ schauen können.


 

Das Interview führte Maren Daniel, Referentin für Akademische Angelegenheiten und Leitung der Mentoring-Programme an der hsg.
Aufmacher: hsg

Sie sind Mitarbeiter*in einer hsg-Kooperation und möchten Mentor*in werden? Dann melden Sie sich gerne bei Maren Daniel.

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