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DAS ONLINE-MAGAZIN DER HOCHSCHULE FÜR GESUNDHEIT IN BOCHUM

Themen fließen ineinander über

Drei Jahre lang wird Dr. Sandhya Küsters über das Landesprogramm ‚Karrierewege FH-Professur‘ gefördert. Seit April 2018 ist die wissenschaftliche Mitarbeiterin im Department of Community Health der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum) und im Bereich Altenhilfe der Caritas angestellt. Getragen wird das Programm, welches qualifizierten Nachwuchs auf dem Weg zur FH-Professur fördert, vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft. Welche Ziele Sandhya Küsters verfolgt, erzählt sie im Interview mit dem hsg-magazin.

Wie kam es zu der Idee, an dem Landesprogramm teilzunehmen?

Dr. Sandhya Küsters: Seit Oktober 2015 bin ich wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich ‘Interkulturelle Öffnung im Gesundheitswesen‘ im Department of Community Health der hsg Bochum und war bisher in der Lehre und Forschung aktiv. Als meine Stelle auslief, überlegten wir im Department gemeinsam, wie es weitergehen könnte. Da ich bis auf die außerhochschulischen Arbeitserfahrungen alle Qualifikationen für eine FH-Professur erfüllte, erschien die Empfehlung für das Programm Karrierewege FH-Professur geeignet. Und glücklicherweise es hat geklappt.

Was hat sich für Sie seit dem 1. April 2018 verändert?

Küsters: Jetzt bin ich mit einer halben Stelle in der Praxis tätig. Mit einer Viertel Stelle bin ich ‚Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Interkulturelle Öffnung‘ an der hsg Bochum und mit einer halben Stelle in der Altenhilfe bei der Caritas in Essen verortet. Von der Zielgruppe her ist die Altenhilfe für mich ein gänzlich neues Feld. Das finde ich sehr spannend und seit Beginn macht mir meine Tätigkeit bei der Caritas sehr viel Spaß. Mein Wirken bleibt bei dem thematischen Schwerpunkt ‚Interkulturelle Öffnung‘. Bei der hsg Bochum ist Frau Prof. Dr. Heike Köckler, Dekanin des Departments of Community Health, meine Vorgesetzte und bei der Caritas ist Thomas Schubert vom Fachbereich Altenhilfe des Caritasverbandes für die Stadt Essen mein Vorgesetzter.

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Thomas Schubert ist im Fachbereich Altenhilfe des Caritasverbandes für die Stadt Essen tätig. Foto: Caritas für die Stadt Essen

Ist das ein Bürojob oder sind Sie häufig vor Ort?

Küsters: In den ersten Wochen war ich praktisch jeden Tag unterwegs, um zunächst einmal verschiedene Einrichtungen kennenzulernen und mir einen Überblick zu verschaffen. Einmal wöchentlich bin ich inzwischen in einem Alten- beziehungsweise Pflegeheim tätig, das hat sich so eingependelt. Viel unterwegs bin ich nach wie vor im Rahmen meines Forschungsprojekts zur hinduistischen Sterbe- und Bestattungskultur in der Diaspora. Einmal wöchentlich lehre ich an der Hochschule und dazwischen arbeite ich in einem meiner beiden Büros – entweder in Essen bei der Caritas oder an der Hochschule.

Welche Aufgaben kommen bei der Caritas auf Sie zu?

Küsters: In dem Heim, das ich zunächst kennenlernte, gab es zwar keine Bewohner*innen mit Migrationshintergrund, aber es gibt ein multikulturell gemischtes Team. Hier werde ich zum Thema ‚Mitarbeiterzufriedenheit‘ und ‚Alltagsrassismus im Kontext demenziell veränderter Menschen‘ forschen. Weiterhin habe ich ein Konzept zur interkulturellen Öffnung der offenen Seniorenarbeit geschrieben, aus dem sich ein Projekt entwickelt hat, für das ich seit Juli 2018 die Projektleitung habe.

Das findet auch in Essen statt?

Küsters: Ja, in einem Bereich in Essen, in dem es einen hohen prozentualen Anteil an Migrant*innen gibt. Dort nutzen relativ wenig Migrant*innen Angebote der Seniorenarbeit und Altenhilfe. Wir fragen uns, welche Rolle die Migrantenorganisationen für ihren älteren Menschen spielen und inwiefern wir von ihren Strukturen lernen können. Generell steht die Frage im Fokus, welche Art von Kooperationen zwischen einem etablierten Träger wie der Caritas und Migrantenorganisationen für beide Seiten Sinn ergeben.

Wie sieht die Caritas den Nutzen des Landesprogramms und speziell die Funktion Ihrer Person?

Küsters: Die Mitarbeiter*innen der Caritas sind hoch engagiert und tragen eine hohe Arbeitsbelastung. Es ist vorgesehen, dass ich in diesem Jahr an einigen Konferenzen teilnehme. Es gibt viele spannende Veranstaltungen, wie zum Beispiel zur interkulturellen Palliativ- und Hospizarbeit. Mit den Mitarbeiter*innen habe ich den Bedarf abgestimmt. So kann ich den wissenschaftlich neuesten Stand in die Institution hineintragen, wenn es zum Beispiel um das Thema Patientenverfügung in interkulturellen Kontexten geht. Dazu kann ich bei Bedarf im Hospiz referieren.

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Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der hsg Bochum Dr. Sandhya Küsters arbeitet jetzt auch im Bereich Altenhilfe der Caritas. Gefördert wird sie über das Landesprogramm ‚Karrierewege FH-Professur‘. Foto: hsg/Dr. Anna Knaup

Und der Transfer läuft auch in die Gegenrichtung?

Küsters: Ja, genau. Im Optimalfall werde ich Daten zum Thema Mitarbeiterzufriedenheit sammeln. In der Hochschule werde ich dann im Wintersemester 2018/2019 im Master-Studiengang ‚Gesundheit und Diversity in der Arbeit‘ unterrichten. Für das Seminar kann ich wunderbar die Daten aus dem Pflegeheim nutzen. In meinem Seminar kann ich die Studierenden über das Thema ‚Interkulturelle Öffnung in der Altenhilfe‘ informieren und sie dafür sensibilisieren.

Die Themen gehen direkt ineinander über…

Küsters: Um diese Synergieeffekte geht es in dem Landesprogramm ja. Bei dem Projekt in der offenen Seniorenarbeit ist es wichtig, wissenschaftlich vorzugehen. Es ist sinnvoll über Kenntnisse der Forschungstechniken zu verfügen, da sie mir erleichtern sinnvolle Fragestellungen zu entwickeln. Beispielsweise drängte sich nach den ersten Beobachtungen die Einbeziehung der pflegenden Angehörigen auf, was ich zunächst nicht unbedingt vorhatte. Zudem arbeite ich theoriegeleitet und orientiere mich an den neuesten Ansätzen. Ich werde mich zum Beispiel nicht ausschließlich auf Zugangsbarrieren oder Versorgungslücken konzentrieren, sondern ressourcenorientiert forschen. Das ist ein ganz wichtiger Leitsatz des Departments of Community Health.

Was bedeutet das denn genau?

Küsters: Ich schaue mir genau an, welche Ressourcen die Migrant*innen mitbringen, wie sie selbst die Pflege ihrer Angehörigen organisieren und welche Herausforderungen es für sie gibt. Welche Lösungen gibt es? Es ist von großem Vorteil, wenn eine wissenschaftliche Begleitung durch die hsg Bochum bei meiner Arbeit dabei ist.

Es handelt sich um ein Landesprogramm und insofern um eine Förderung durch das Land. Was genau wird vom Land gefördert? Ihre Stelle bei der Caritas?

Küsters: Ich bin mit einer halben Stelle in der Altenhilfe bei der Caritas eingestellt. Davon wird eine Hälfte über das Programm und die andere Hälfte von der Caritas finanziert. Mit einer Viertel Stelle bin ich an der hsg Bochum angestellt. Das wird vollständig über das Landesprogramm finanziert.

Inwiefern profitieren Sie von dem Programm?

Küsters: Bislang war ich vorrangig im wissenschaftlichen Bereich tätig und wäre mit meiner Promotion für viele interessante Positionen außerhalb des Hochschulbetriebs überqualifiziert gewesen. Vermutlich wäre für mich ein Einstieg außerhalb der Hochschule schwierig gewesen. Um meine Authentizität nicht zu verlieren, benötigte ich aber noch praktische Erfahrungen außerhalb der Hochschule.

"Ich benötigte aber noch praktische Erfahrungen außerhalb der Hochschule."
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Im Rahmen ihrer Stelle ist Küsters auch in der Altenpflege der Caritas tätig. Foto: Achim Pohl | Caritas

Was meinen Sie damit?

Küsters: Wenn ich zum Beispiel an der Hochschule über das Thema ‚Interkulturelle Kompetenz in der Altenpflege‘ referiere, erscheint es vielleicht weniger glaubwürdig, wenn ich Lösungen für Herausforderungen in einem Altenheim vorstelle, die ich aber selbst noch nicht erlebt habe. Im Rahmen meiner neuen Stelle bin ich wöchentlich in einem Pflegeheim dabei, wenn den Bewohner*innen Essen angereicht wird. Letzte Woche hat sich eine demenziell veränderte Dame an mich gewandt und mir Geschichten von früher erzählt, denen ich kaum folgen konnte. Sie hat auch geweint und sich an mich geklammert. Es war eine neue und durchaus überfordernde Erfahrung für mich, die eine Pflegerin im Nachgang ausführlich mit mir reflektiert hat. Das hat jetzt nichts mit dem Thema Migration zu tun, aber durchaus mit Themen wie Überforderung, Ratlosigkeit und Neugier. Der Vorfall hat mich sehr beschäftigt und bereichert. Und er ist ganz normaler Alltag des Personals in der Unterkunft, meine abstrakte Wertschätzung für Pflegeberufe wird mit konkreten Inhalten gefüllt. Diese Erfahrungen fließen in meine Lehre an der Hochschule ein.

Das ist nachvollziehbar…

Küsters: Ja. Und es ist auch der Dreh- und Angelpunkt des Förderprogramms und der Idee der Hochschule, dass eine Verzahnung mit der Praxis gewährleistet ist und ich verstehe immer besser, dass das wirklich eine unverzichtbare Qualifikation für eine FH-Professur ist.
Sowohl in der Praxis als auch an der Hochschule begegne ich Expert*innen, die mich bei der Einarbeitung in das neue Themenfeld unterstützen.

Können Sie noch ein Beispiel nennen?

Küsters: Bei der Caritas ging es in Gesprächen um das Thema ‚Sprachenvielfalt in der Pflege‘. Das fand ich sehr interessant. Allerdings hatte ich dazu noch nicht gearbeitet und so habe ich Frau Dr. Tanja Segmüller, unsere Vertretungsprofessorin für Alterswissenschaften, dazu befragt. Sie konnte mir sofort einen Literaturtipp geben, so dass ich sogleich Material mit zur Arbeit brachte. So beschleunigen sich viele Prozesse. Ich sehe den Bedarf bei der Caritas, habe den Zugang zu aktueller Literatur, kann die Themen aufbereiten und in den Prozess einbringen. Und natürlich schaue ich auch, wo der Bedarf der hsg Bochum ist, Einblicke in die Praxis zu bekommen. Das Thema ‚Zufriedenheit unter den Mitarbeiter*innen mit Migrationshintergrund‘ ist auch für die hsg Bochum für den Master-Studiengang ‚Gesundheit und Diversity in der Arbeit‘ spannend. Da fließen die Themen ineinander.

Welchen Beruf streben Sie denn an? Ist es klar, dass Sie Professorin werden wollen, da Sie sonst nicht in dem Landesprogramm wären?

Küsters: Natürlich ist es für mich die Professur eine Option und ich finde, dass das ein ganz toller Beruf ist. Die Arbeit bei der Caritas, die ich jetzt kennenlerne, erfüllt mich aber auch und so bin ich im Moment sehr aufgeschlossen, was die Zukunft bringt. Ich schreibe Drittmittelanträge und erhalte Einblicke in Berufungsverfahren. Deshalb denke ich, dass das Programm sowohl meine Qualifikation in der Praxis verbessert, als auch meine Chancen auf eine Professur. Natürlich bin ich sehr dankbar für diese Förderung!

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An der hsg Bochum sind die beiden Professorinnen Dr. Heike Köckler (im Bild links) und Dr. Christiane Falge (rechts im Bild) die Mentorinnen von Dr. Sandhya Küsters. Foto: hsg/Dr. Anna Knaup

Das Landesprogramm, das über drei Jahre läuft, beinhaltet, dass Sie zwei Mentorinnen haben. Wer ist das und welche Funktion haben diese?

Küsters: Meine Mentorinnen sind Frau Prof. Dr. Christiane Falge, Professorin für Gesundheit und Diversity im Department of Community Health, und Frau Prof. Dr. Heike Köckler, Professorin für Sozialraum und Gesundheit im Department. Sie sorgen dafür, dass ich entsprechend der Richtlinien im Programm gefördert werde. Zunächst haben wir einen 3-Jahres-Plan aufgestellt. In drei Jahren werden die beiden Professorinnen ein Gutachten über meine Tätigkeit schreiben.

Vielen Dank für das Gespräch!


Das Interview führte Dr. Christiane Krüger, Pressesprecherin der hsg Bochum und Leiterin des hsg-magazins.

Aufmacherfoto: hsg/Volker Wiciok

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