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Studentinnen üben die Behandlung eines Patienten an einer Übungspuppe.

Wen versorgen wir und wie lange?

In wissenschaftlichen Studien finden sich zunehmend Belege für die Wirksamkeit ambulanter neurologischer Spätrehabilitation. Über sie werden Patient*innen auch in chronischen Phasen ihrer Erkrankung therapiert und unterstützt. Beim ‚Dialog Versorgungsforschung NRW‘ waren sich die Teilnehmenden einig: Intensive Rehabilitationsmaßnahmen für Menschen mit chronischen neurogenen Beeinträchtigungen müssen Teil der Regelversorgung werden.

Altersbedingte gesundheitliche Probleme wie Schlaganfälle oder neurodegenerative Erkrankungen nehmen zu – das bringt die steigende Lebenserwartung mit sich. Doch während neurologische Patient*innen in der chronischen Phase ihrer Erkrankung oft noch als „austherapiert“ gelten, finden sich in wissenschaftlichen Studien zunehmend Belege für die Wirksamkeit neurologischer Spätrehabilitation. Gemeinsam mit der ambulanten Nachsorge rückt sie als „Brücke zur Inklusion“ immer stärker in den Mittelpunkt. Vor diesem Hintergrund gaben die Referent*innen beim „Dialog Versorgungsforschung NRW“ im September 2016 an der Hochschule für Gesundheit Einblicke in die derzeitige Versorgung, die Sicht der Kostenträger und der Patient*innen sowie in die aktuelle Therapieforschung. Ein besonderer Fokus lag auf dem Einsatz computer- und robotikbasierter Therapien, die die konventionellen Face-to-face-Therapieverfahren ergänzen können.

Spätrehabilitation fordert und fördert interdisziplinäre Zusammenarbeit

Gut 50 Teilnehmende waren zu dieser gemeinsamen Veranstaltung des Landeszentrums Gesundheit Nordrhein-Westfalen (LZG.NRW), der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und der Hochschule für Gesundheit (hsg) zusammengekommen.

Auftsteller „Dialog Versorgungsforschung NRW“"
Zum „Dialog Versorgungsforschung NRW“ trafen sich Gäste, um sich im September 2016 an der Hochschule für Gesundheit über das Thema Versorgung auszutauschen. Foto: LZG.NRW

Prof. Dr. Mario Siebler (Chefarzt der Fachklinik für Neurologie der MediClin Fachklinik Rhein/Ruhr, Essen) betonte, dass gerade die Spätrehabilitation besondere Anforderungen an die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller an der Versorgung beteiligten Akteure stellt. Dr. Sabine Schipper (Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Landesverband NRW) hob am Beispiel der Multiplen Sklerose hervor, dass es im ambulanten Bereich zum Teil noch gravierende Lücken für bestimmte Behandlungsbedarfe gibt: Erforderliche therapeutische Maßnahmen können teilweise nicht abgerechnet werden. Dass die Situation im Rehabilitationsbereich insgesamt dadurch erschwert wird, dass je nach individueller Ausgangslage der Betroffenen unterschiedliche Kostenträger verantwortlich sind, stellte Ulrich Adler (Leiter regionales Vertragswesen der TK-Landesvertretung NRW) dar.

Unterschiedliche Blickwinkel, eine Meinung

Das Fazit der Veranstaltung: Rehabilitative Intensivprogramme können auch in späten Phasen der Neurorehabilitation wirksam sein. Innovative Therapietechnologien bieten neue Möglichkeiten hinsichtlich der Häufigkeit therapeutischer Maßnahmen und ihres frühzeitigen Beginns. Die Teilnehmenden waren sich einig: Intensive Therapiemaßnahmen für die neurologische Spätrehabilitation in die Regelversorgung zu überführen ist eine zwar schwierige, aber entscheidende Zukunftsaufgabe.


 

Organisation des ‚Dialogs Versorgungsforschung NRW‘

Der Dialog wurde organisiert von Dr. Anke Diehl (Fachgruppe Versorgungsstrukturentwicklung des LZG.NRW), Prof. Dr. Hans J. Trampisch (Abteilung für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie der RUB) und Prof. Dr. Sascha Sommer (Department für Angewandte Gesundheitswissenschaften der hsg).

Lektorat: Tanja Breukelchen, freie Journalistin
Aufmacher: hsg/Volker Wiciok

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