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DAS ONLINE-MAGAZIN DER HOCHSCHULE FÜR GESUNDHEIT IN BOCHUM

Digitaler Studierenden-Kongress

Mit dem Konzept ‚Studieren in Zeiten von Corona – Digitaler Studierenden-Kongress Gesundheitsdaten und Sozialraum‘ haben Prof. Dr. Wolfang Deiters und Prof. Dr. Michael Wessels ein neues Lehr- und Prüfungsmodell auf die Beine gestellt, das die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie zum Vorteil nutzt. Außerdem verbinden die beiden hsg-Professoren aus dem Department of Community Health damit geschickt ihre Lehrbereiche – die Gesundheitstechnologien und die Gesundheitsökonomie und -politik. Im Interview erzählt Deiters, was es mit dem digitalen Studierendenkongress auf sich hat.

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Prof. Dr. Wolfgang Deiters ist Professor für für Gesundheitstechnologien an der hsg Bochum. Foto: hsg Bochum/Volker Wiciok

Wie sind Sie auf die Idee zu einem digitalen Studierendenkongress gekommen?

Prof. Dr. Wolfgang Deiters: Ausgangspunkt war, dass Michael Wessels und ich immer wieder festgestellt haben, dass es in unserer Lehre eigentlich viele Schnittstellen gibt. Ein Beispiel: Ich spreche mit den Studierenden über die technischen Aspekte von Apps und Herr Wessels behandelt in seinen Vorlesungen Themen aus der Gesundheitsökonomie und bringt ihnen bei, was im Gesundheitswesen wie finanziert wird. Eine mögliche Schnittstelle wäre jemand, der eine gesundheitsbezogene App entwickelt und sich nun fragt, wie diese im Gesundheitswesen überhaupt finanzierbar wäre. Wir haben dann überlegt, wie wir den Studierenden diese modulübergreifenden Diskussionen näherbringen können. Wir wollten also eine Art gemeinsame Veranstaltung ins Leben rufen, bei der wir mit den Studierenden an diesen Querschnitthemen arbeiten können.

Bei Ihrer ursprünglichen Idee von einer gemeinsamen Präsenzveranstaltung kam Ihnen die Corona-Pandemie dazwischen – wie sind Sie dann vorgegangen?

Deiters: Wir haben uns im Sommersemester 2020 erst einmal auf die Situation rund um Corona einstellen müssen und das gemeinsame Thema trat in den Hintergrund. Aber dann kam die Frage nach den Prüfungsleistungen in Coronazeiten auf und es gab einen Bedarf an neuen Prüfungsmodellen. Wir konnten ja nicht einfach jede Klausur durch eine digitale mündliche Prüfung ersetzen, denn dann wäre der Zeitaufwand explodiert. Wir waren also auf der Suche nach anderen Prüfungsformen für unsere Module. Und so entstand der Gedanke, einen virtuellen Studierendenkongress zu entwickeln.

Wieso sollte es gerade ein Kongress von und für Studierenden sein?

Deiters: Der Kongress bringt verschiedene Aspekte zusammen. Wir wollten themenübergreifend diskutieren, wir wollten eine andere Prüfungsform etablieren und wir wollten neue Onlineformate nutzen und damit auch ein Instrument schaffen, mit dem sich Studierende auch wiederholt mit einem Thema auseinandersetzen können.

Und wie haben Sie die Idee dann umgesetzt?

Deiters: Insgesamt sind drei verschiedene Kurse in den Kongress eingebunden – aus den beiden Bachelorstudiengängen ‚Gesundheitsdaten und Digitalisierung‘ und ‚Gesundheit und Sozialraum‘. Die Prüfungsleistung ist ein Poster und dieses Poster sollte nach Möglichkeit auch vorgestellt werden. Um aber eine mehrfache Auseinandersetzung mit den Themen zu gewährleisten, mussten die Studierenden der einzelnen Module erst einmal Abstracts – also Themenvorschläge – für zwei verschiedene Themen schreiben. Die Studierenden aus den jeweils anderen Modulen mussten die Abstracts dann bewerten und der jeweils stärker bewertete Themenvorschlag wurde dann angenommen. Im Anschluss daran haben die Studierenden zu den Themen dann ein wissenschaftliches Poster erstellt, das benotet wurde. Durch dieses Vorgehen mit den Abstracts und den Postern üben die Studierenden gleich auch eine wissenschaftliche Konferenzsituation.

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Die Reaktion der Studierenden auf das neue Format fiel positiv aus - wie hier in einem Gästebucheintrag aus der Konferenz zu lesen ist. Screenshot: hsg Bochum/jmj

Und wie wurden die Prüfungsleistungen dann in einen digitalen Kongress verwandelt?

Deiters: Statt die fertigen Poster einfach zu einem dicken PDF zusammenzuheften, wollten wir die Situation nutzen und haben den Gedanken der Onlinekonferenz weitergesponnen. Wir haben uns also vorgenommen, die Poster medial aufzubereiten. Wir haben dazu das Tool Thinglink genommen und damit eine wissenschaftliche Konferenz ins Digitale übertragen. Dafür haben wir mit verschiedenen Fotos von Orten an der hsg – beispielsweise aus dem Atrium oder den Hörsälen – gearbeitet und darin einzelne Avatare platziert. Wenn man jetzt auf das Figürchen klickt, kann man das Poster der Person aufrufen.

Ist das Projekt damit nun abgeschlossen?

Deiters: Nein, wir haben noch einiges damit vor: Die digitale Umgebung haben wir am Anfang des Wintersemesters 2020/2021 mit den Studierenden gemeinsam begangen. Dabei konnten die Studierenden dann auch in zwei oder drei Minuten kurz ihr eigenes Poster vorstellen – genau wie man es auf einer normalen Konferenz auch machen würde. Dadurch erreichen wir dann auch direkt eine neue Erinnerung an die Vorlesungsinhalte des vergangenen Semesters. Zusätzlich ist geplant, dass die Studierenden die Poster selbst bewerten können. Außerdem werden wir im Rahmen der Community Health Konferenz, die am 27. November 2020 ebenfalls digital stattfinden wird, über dieses Lehr- und Prüfungskonzept berichten. Zusammen mit Michael Wessels und Kim Veit – Wissenschaftliche Mitarbeiter im Studiengang Gesundheitsdaten und Digitalisierung – habe ich dazu einen Konferenzbeitrag eingereicht. Außerdem wollen wir dort die Poster, die von den Studierenden am besten bewertet wurden, auszeichnen.


3. Community Health Konferenz

Die digitale Online-Konferenz vom 16. bis zum 27. November 2020

Die Community Health Konferenz wird in diesem Jahr – aufgrund der Corona-Pandemie – digital stattfinden. Die Teilnahme ist für angemeldete Besucher*innen online über das Internet, von zu Hause oder anderen Orten außerhalb der hsg, mit ihrem eigenen PC oder Mobilgerät möglich. In diesem Jahr wird es zusätzlich zum Live-Programm an den Konferenztagen auch ein On-Demand-Programm geben, das sich Interessierte ab dem 16. November 2020 online ansehen können. Weitere Informationen gibt es hier.


Text: Das Interview führte Judith Merkelt-Jedamzik, Online-Redakteurin des hsg-magazins. Der Text erschien am 6. November 2020 im hsg-magazin.

Aufmacher: Screenshot aus dem digitalen Stuierendenkongress. Screenshot: hsg Bochum/jmj

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