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DAS ONLINE-MAGAZIN DER HOCHSCHULE FÜR GESUNDHEIT IN BOCHUM

Gefährdungsbeurteilung erklärt

Die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes ist ein wichtiges Thema – doch besonders spannend klingt es zunächst leider nicht. Vier Studentinnen der Hochschule für Gesundheit (hsg) haben nun ein Video erstellt, das die Gefährdungsbeurteilung unterhaltsam erklärt. Dieses Video bekam bereits so viel positive Resonanz, dass inzwischen schon ein Vortrag bei einer Experten-Messe und eine Anfrage für einen Textbeitrag in einer Fachzeitschrift daraus entstanden sind.

Ein Video als Prüfungsleistung

Sibel Erk, Hazal Kandemir, Burcu Demirci und Mahur Hesamiashrafi studieren im vierten Semester ‚Gesundheit und Diversity‘ im Bachelor-Studiengang an der hsg. Bereits in ihrem zweiten Semester bekamen sie in einem Seminar von Prof. Dr. Gudrun Faller, Professorin für Kommunikations- und Interventionsprozesse im Gesundheitswesen an der hsg, die Aufgabe, eine Gesundheitskampagne zu erstellen. Hierfür sollten die Studierenden zum Beispiel ein Plakat, einen Flyer oder ein Video anfertigen. Als die Seminarteilnehmer*innen im Laufe des Semesters die Arbeitswelt Ausstellung (Dasa) in Dortmund besuchten, lernten die vier Studentinnen Tamara Hammer, stellvertretende Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (Basi) und Bruno Zwingmann, Geschäftsführer der Basi, kennen. „Und Herr Zwingmann meinte, dass beim Thema Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz noch viel gemacht werden könnte“, erinnert sich Sibel Erk. Also nahmen sich die vier hsg-Studentinnen das Thema für ihre Prüfungsleistung vor.

„Das ist eigentlich ein wirklich sehr trockenes Thema“, meint Sibel Erk. Und Hazal Kandemir ergänzt: „Wir mussten uns erst einmal in die Gesetze und das Thema einarbeiten. Je mehr wir uns eingearbeitet haben, desto interessanter wurde es dann aber für uns.“ Schließlich steckten die vier hsg-Studentinnen viel Arbeit und Leidenschaft in das Thema und ihre Aufgabe – und erstellten ein anschauliches Erklär-Video zur Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz für Arbeitnehmer*innen.

Viel Arbeit

Die Hand, die in dem Video zu sehen ist, gehört übrigens zu keiner der Studentinnen und auch die Papier-Schnipsel wurden nicht von ihnen gebastelt. Dafür haben sie ein Softwareprogramm genutzt. „Aber auch mit dem Programm war es schwierig und sehr zeitaufwendig, das Video zu erstellen“, sagt Burcu Demirci. Bereits vor dem Video hatte Sibel Erk schon etwas Erfahrung mit dem Softwareprogramm gesammelt. „Aber so viel war das leider auch nicht“, sagt sie. „Doch, schon“, muss da Hazal Kandemir ihrer Kommilitonin widersprechen. „Ohne dich wären wir aufgeschmissen gewesen.“ Zusammen haben es die vier Studentinnen auf jeden Fall geschafft, das Programm zu bezwingen.

Dass die Erstellung des Videos viel Arbeit war, müssen die vier Studentinnen nicht lange erklären: „Würde man alle Stunden zusammenrechnen, die wir daran gearbeitet haben, dann wären es sicherlich drei Wochen Arbeitszeit gewesen. Aber zum Glück konnten wir die Arbeit auf insgesamt drei Monate verteilen“, erzählt Burcu Demirci. Dann musste die Prüfungsleistung erbracht sein.

Pleiten, Pech und Pannen

Eine Schwierigkeit bei der Erstellung des Videos war zum Beispiel, dass die Studentinnen keine Möglichkeit hatten, in dem Programm die Tonspur zu schneiden. Also musste der Sprechtext von Burcu Demirci und Mahur Hesamiashrafi direkt vom Anfang bis zum Ende fehlerfrei eingesprochen werden. Das hat einige Anläufe gebraucht. „Wir haben das so oft gemacht, soooo oft“, erinnert sich Demirci. „Einmal zum Beispiel waren wir richtig gut, aber kurz vor Ende ist jemand in den Raum gekommen, in dem wir aufgenommen haben – und schon mussten wir wieder von vorne anfangen.“

Derartige Pannen bei der Tonaufnahme gab es zahlreiche: „Es musste eine von uns lachen oder wir haben den falschen Ton im Hintergrund eingespielt – irgendwas war eigentlich immer“, meint Hazal Kandemir. Während die vier Studentinnen von ihren Pannen bei der Erstellung des Videos berichten, wird viel gelacht. „Jetzt, im Nachhinein, ist das natürlich alles lustig. Aber währenddessen war es für uns nervenaufreibend“, erklärt Hesamiashrafi die Stimmung während der Aufnahmen.

Wissenschaftlicher Vortrag und Textbeitrag

Nach der Video-Aufnahme ist bereits viel passiert: Bei der A+A Messe, die sich thematisch vor allem mit dem Arbeitsschutz befasst, haben Sibel Erk, Burcu Demirci und Hazal Kandemir am 17. Oktober 2017 das Video einem interessierten Fachpublikum in Düsseldorf vorgestellt. Ungefähr fünf Minuten lang gab Erk Hintergrundinformationen zum Video, dann wurde das Video vorgestellt und anschließend diskutiert. Für sie war es der erste wissenschaftliche Vortrag und ihre Aufregung wurde durch die Raumsituation noch etwas gesteigert: „Es gab eine runde Bühne, um die alle herum saßen. Ich musste mich also beim Reden die ganze Zeit drehen, um alle einmal anzuschauen. Darauf war ich gar nicht vorbereitet“, berichtet Erk. Letztendlich hat sie die Situation aber gemeistert und das Video hat viel Lob bekommen. „Und Kritik gab es natürlich auch. Hier und da hätten wir noch etwas besser machen können. Diese Kritik haben wir natürlich gerne angenommen“, sagt Demirci.

Außerdem sollen die vier Studentinnen nun einen Beitrag zu ihrem Video für die Zeitschrift ‚sicher ist sicher – Arbeitsschutz aktuell‘ erstellen. Die Fachzeitschrift zum Arbeits- und Gesundheitsschutz erscheint monatlich. Die Ausgabe mit dem ungefähr vierseitigen Beitrag der hsg-Studentinnen soll im Juni 2018 erscheinen.

Auch eine Absage gab es übrigens schon: „Wir haben bei einem Wettbewerb der International Labour Organisation mitgemacht. Hätten wir gewonnen, wären wir nach Singapur geflogen und hätten dort unser Video vorgestellt. Aber das hat leider nicht geklappt“, erzählt Mahur Hesamiashrafi. Trotzdem klingt die Geschichte zu dem Erklär-Video natürlich bisher absolut nach einer Erfolgsgeschichte – immerhin haben sich daraus schon ein Vortrag auf einer Fachmesse und eine Anfrage für einen Beitrag in einer Fachzeitschrift ergeben.

Die nächsten Schritte

Das Thema der Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz hat die hsg-Studentin Sibel Erk inzwischen so sehr begeistert, dass sie plant, ihr nächstes Praxissemester in diesem Bereich zu absolvieren. Aber auch die anderen sind mit ihrer Themenwahl rückblickend zufrieden: „Ich glaube, noch wichtiger als die einzelnen Informationen, die wir zum Thema Gefährdungsbeurteilung gelernt haben, war die Erkenntnis, dass es sich lohnt, immer die Augen und Ohren offen zu halten. Denn vorher haben wir alle kaum etwas von Arbeitssicherheit gewusst. Dabei ist das ein wichtiges Thema“, meint zum Beispiel Burcu Demirci. Alles in allem konnten die vier Studentinnen feststellen: So langweilig wie zunächst gedacht muss die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes also gar nicht sein.


Text: Dr. Anna Knaup, Online-Redakteurin des hsg-magazins

Aufmacher: hsg. Zu sehen sind von links nach rechts: Mahur Hesamiashrafi, Burcu Demirci, Hazal Kandemir und Sibel Erk.

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