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Leistungssport und Studium

Katharina Schillerwein hat an der Hochschule für Gesundheit (hsg) Physiotherapie im Bachelor studiert und in diesem Jahr ihren Abschluss gemacht. Gleichzeitig kann sie auf eine erfolgreiche Saison als Beach-Volleyballerin zurückblicken. Im Interview berichtet Katharina Schillerwein über ihren Leistungssport, das Studium – und darüber, wie sie es geschafft hat, beides miteinander zu kombinieren.

Sie sind eine erfolgreiche Beach-Volleyballerin und bilden gerade zusammen mit Cinja Tillmann eines der besten Beach-Duos in Deutschland. Was waren bis jetzt die Höhepunkte Ihrer Karriere?

Katharina Schillerwein: Es ist schwer einen einzigen Höhepunkt hervorzuheben. Es gab so viele. Natürlich ist jede Goldmedaille ein absoluter Höhepunkt und ich erinnere mich an jede einzelne sehr genau. Mein persönlicher Höhepunkt ist, dass ich es nach zwei Verletzungsjahren in 2012 und 2013, die viel Frust mit sich gebracht haben, geschafft habe, deutlich stärker und erfolgreicher denn je zurück zu kommen. Ich habe es geschafft, meinen Körper so  zu trainieren, dass ich durch eine herausragende Athletik eine neue Stärke gewonnen habe, welche mich zu einer absolut starken Spielerin gemacht hat. In dem Jahr 2013 habe ich außerdem an der hsg angefangen zu studieren. Sicherlich hat das Studium ebenfalls dazu beigetragen, dass ich meinen Körper besser verstehe und mehr Körperbewusstsein als viele andere bekomme. Zudem hat die Doppelbelastung mit Sport und Studium ab 2014 dazu geführt, dass ich absolut diszipliniert leben musste. Nicht immer einfach, aber erfolgreich.

Hatten Sie auch in dem jetzigen Jahr eine erfolgreiche Saison?

Schillerwein: Ja, sehr! Wir haben zwar nicht ganz so konstant gespielt, was daran liegt, dass wir viele internationale Turniere gespielt haben und durch das viele Reisen etwas zu wenig Pause gemacht haben. Somit waren ein bis zwei Turniere nicht ganz so erfolgreich, da wir eine Pause gebraucht hätten. Insgesamt haben wir 16 Turniere diesen Sommer gespielt. Das ist schon sehr viel für ein Beach-Team. Im Juli beispielsweise waren wir nur vier Tage zu Hause und somit auch nur vier Tage voneinander getrennt. Die größten Erfolge dieses Jahr waren zwei Goldmedaillen auf internationalem Boden.

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Insgesamt zwei Goldmedaillen konnte Katharina Schillerwein in dieser Saison erkämpfen. Foto: CEV Mersin

Was ist Ihrer Meinung nach eigentlich besonders wichtig beim Volleyball? Kraft, Ausdauer, Konzentration, das Zusammenspiel im Team – oder vielleicht sogar etwas ganz anderes?

Schillerwein: Es spielt alles eine große Rolle. Zu Ihren angeführten Punkten würde ich noch das Umfeld ergänzen. Es ist wichtig, dass man gute Trainer hat, die erstens an einen glauben und zweitens einen optimal auf die Turniere vorbereiten. Auf dem Feld sind wir auf uns alleine angewiesen, daher spielt auch die Kommunikation im Team eine große Rolle. Man muss wissen, wie man dem Partner in schweren Situationen helfen kann und es trotzdem schafft, sein Ding zu machen. Wir beschreiben den Sport als Individualsportart. Es kommt also in erster Linie auf einen selbst an.

Inzwischen sind Sie ja schon länger als Sportlerin aktiv. Haben Sie zwischendurch auch mal überlegt, mit dem Volleyballspiel aufzuhören?

Schillerwein: Ja. nach der zweiten Verletzung 2013. Wenn April 2014 nicht der Anruf von Cinja gekommen wäre, hätte ich aufgehört. Das stand schon für mich fest. Ich bin sehr froh, dass wir uns dann noch gefunden haben.

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Katharina Schillerwein (links) und Cinja Tillmann spielen seit dem Jahr 2014 als Duo Beach-Volleyball. Foto: Martin Miseré

Hier an der hsg haben Sie ja auch noch Physiotherapie im Bachelor studiert und in diesem Jahr Ihren Abschluss gemacht. Wie kam es denn, dass Sie die Physiotherapie für sich entdeckt haben?

Schillerwein: Das war schon immer mein Wunschberuf. Trotzdem habe ich erst einen Bachelor auf Lehramt abgeschlossen. Meine Verletzungen waren dann der Anlass, nochmal was Neues anzufangen. Es war die beste Entscheidung.

Und wie haben Sie es geschafft, Studium und Sport in Ihren Alltag zu integrieren? Das verlangt doch sicherlich sehr viel Planung!

Schillerwein: Ja, definitiv! Leider musste ich in beiden Elementen auch Abstriche machen. Meine Endnote hat zwar immer noch ganz knapp eine eins vor dem Komma, aber ich hätte mir ohne den Sport trotzdem mehr zugetraut. Ebenso war es im Sport. Es geht nicht um die Leistung, aber ich musste teilweise auf internationale Turniere verzichten, da diese zu viele Fehlzeiten bedingt hätten. Besonders während der praktischen Einsätze wollte ich das nicht. Die täglich nötige Disziplin, um an einem Tag zwei Trainingseinheiten plus Vorlesungen zu absolvieren, ist mir meistens leicht gefallen. Ich bin gut strukturiert und mag es am Abend im Bett zu liegen und zu spüren, dass man was geschafft hat am Tag und so auch stolz auf sich ist.

Sehr zu meinen Gunsten war übrigens der Umzug der hsg an den Gesundheitscampus. Denn dort sind auch meine Trainingsstätte sowie meine Trainer. Es waren also maximal kurze Arbeitswege, sodass ich mich wie auf einem Sportinternat gefühlt habe. Mein Alltag sah wie folgt aus: 8 Uhr bis 9:30 Uhr Training, 10:15 Uhr dann schnell zur Uni und nachmittags wieder Training. Unbedingt möchte ich hier auch erwähnen, wie hilfreich es war, dass die Dozenten immer Verständnis für meine Situation hatten. Prof. Dr. Christian Grüneberg war immer sehr interessiert an meinem Sport und Marietta Handgraaf hat mich sogar auf einem Turnier persönlich angefeuert. Man muss es zwar alleine schaffen, aber dass die Dozent*innen immer ein offenes Ohr für mich hatten und toleriert haben, dass ich teilweise direkt vom Training in die Vorlesung gekommen bin und erstmal was essen musste, hat mir schon einen guten Rückhalt gegeben.

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In diesem Jahr kann Katharina Schillerwein nicht nur auf eine erfolgreiche Volleyball-Saison zurückblicken, denn sie hat auch noch ihren Bachelor-Abschluss in Physiotherapie an der hsg gemacht. Foto: Martin Miseré

Profitieren Sie vielleicht auch manchmal als Volleyballerin von Ihren Kenntnissen und Erfahrungen als angehende Physiotherapeutin und andersherum?

Schillerwein: Natürlich. Besonders andersherum. Als Physiotherapeutin merke ich, dass ich sehr viel aus dem Sport anwenden kann. Was ich dort gelernt habe, ist einzigartig und nicht zu ersetzen. Das liegt vor allem daran, dass ich die besten Trainer der Welt hatte! Und jede Einheit war wie eine Vorlesung, in der es um Biomechanik, Psychologie, Trainingswissenschaft, Krafttraining und so weiter ging. Meine Trainer waren Hans Voigt, der ehemals Trainer von den Olympiasiegern Brink Reckermann und Ludwig Walkenhorst war, und Til Kittel, der an der RUB Dozent für Sport ist. Niemand hat so viel Wissen über Beachvolleyball wie Hans und Til betreut mich schon seit 2012, er hat also meine beiden schlimmen Verletzungen mitbekommen. Durch seinen Ehrgeiz und durch sein Durchhaltevermögen habe ich es überhaupt nur geschafft, den Weg zurück an die Spitze zu schaffen. Ihm habe ich wirklich sehr viel zu verdanken. Mittlerweile ist er für mich ein Freund und Lebensberater geworden.

Was sind Ihre nächsten beruflichen und was sind Ihre nächsten sportlichen Ziele?

Schillerwein: Die Saison ist gerade vorbei und meinen Bachelor habe ich auch erst vor kurzem angeschlossen. Da ich acht Jahre diese Doppelbelastung hatte und noch gar nicht realisiert habe, was ich erreicht habe, geht es erstmal seit langem in den Urlaub. Drei Monate Australien. Ich brauche diese Auszeit, um mir neue Ziele zu setzen und in Ruhe zu überlegen, was als nächstes kommen soll.


Das Interview führte Dr. Anna Knaup, Online-Redakteurin des hsg-magazins.
Aufmacher: CEV Mersin

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