Zum Inhalt springen
HS Gesundheit/Anke Westermann

Neues Zulassungsverfahren für Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft

18. April 2024

Für den Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft der Hochschule für Gesundheit (HS Gesundheit) in Bochum gibt es ab dem Wintersemester 2024/25 ein neues Zulassungsverfahren. Studieninteressierte bewerben sich künftig direkt bei den Kliniken beziehungsweise verantwortlichen Praxiseinrichtungen und bekommen von diesen bei erfolgreichem Abschluss des Bewerbungsverfahrens einen Vertrag zur akademischen Hebammenausbildung an der HS Gesundheit angeboten. Grundvoraussetzung für ein hebammenwissenschaftliches Studium an der HS Gesundheit bleibt der Nachweis einer Hochschulzugangsberechtigung. „Das Hebammenstudium ist dual ausgerichtet und besteht aus einem berufspraktischen und einem hochschulischen Studienteil, der aus Theoriephasen in der Hochschule und Praxisphasen bei unseren klinischen und außerklinischen Praxispartnern besteht“, sagt Prof. Dr. Martina Schlüter-Cruse. Die Professorin für Hebammenwissenschaft und Studiengangsleiterin erläutert das neue Zulassungsverfahren im Interview.

Inwiefern ändert sich das Zulassungsverfahren für den Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft?

Prof. Dr. Martina Schlüter-Cruse: Studieninteressierte, die bei uns an der HS Gesundheit den Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft studieren möchten, bewerben sich ab dem Wintersemester 2024/25 nicht mehr über das sogenannte Dialogorientierte Serviceverfahren auf hochschulstart.de, sondern direkt bei den Kliniken beziehungsweise verantwortlichen Praxiseinrichtungen, mit denen wir als Hochschule kooperieren. Eine Auswahl durch die Hochschule erfolgt somit künftig nicht mehr. Einzig die Kliniken sind Adressaten der konkreten Bewerbungen und wählen geeignete Personen eigenverantwortlich aus. Können Studieninteressierte in einem Bewerbungsverfahren überzeugen, bietet ihnen die entsprechende Klinik einen Vertrag zur akademischen Hebammenausbildung an. Die Hochschule überprüft dann im Nachgang beziehungsweise zum Zeitpunkt der Einschreibung, der sogenannten Immatrikulation, die Nachweise der geltenden Studienvoraussetzungen. Damit wird der Studiengang ab Wintersemester 2024/25 zulassungsfrei angeboten, einen Numerus Clausus als Zulassungsbeschränkung wird es zukünftig nicht mehr geben. Haben Studieninteressierte also nach erfolgreicher Bewerbung bei einem unserer kooperierenden verantwortlichen Praxiseinrichtungen einen Vertrag zur akademischen Hebammenausbildung in der Tasche und erfüllen zusätzlich die Voraussetzungen der Hochschule für den Studiengang Hebammenwissenschaft – dazu zählen neben einer ausreichenden Hochschulzugangsberechtigung in der Regel auch ein Vorpraktikum, ein Gesundheitszeugnis sowie ein erweitertes Führungszeugnis – werden sie bei uns an der Hochschule immatrikuliert.

Foto: HS Gesundheit
Prof. Dr. Martina Schlüter-Cruse ist Professorin für Hebammenwissenschaft und Studiengangsleiterin des gleichnamigen Studienprogramms.

Warum hat die Hochschule sich dazu entschieden, das Zulassungsverfahren anzupassen?

Prof. Dr. Martina Schlüter-Cruse: Für die Koordination der theoretischen und praktischen Lehrveranstaltungen, einschließlich der berufspraktischen Praxiseinsätze, tragen wir als Hochschule die Gesamtverantwortung. Für die Durchführung des berufspraktischen Teils ist die verantwortliche Praxiseinrichtung zuständig und schließt dazu auch Verträge mit anderen Krankenhäusern und freiberuflichen Hebammen ab. Die verantwortliche Praxiseinrichtung zahlt den Studierenden beispielsweise auch von Beginn des Studiums bis zum Ende des Vertragsverhältnisses eine Vergütung. Insofern sehen wir es als konsequenten Schritt, die Kliniken bei der Auswahl der Studierenden stärker zu involvieren.

Dies war auch ein ausdrücklicher Wunsch vieler Kliniken, die sich dadurch langfristig eine stärkere Bindung der Studierenden an die Klinik erhoffen. Die verantwortlichen Praxiseinrichtungen wählen künftig aus, wem sie einen Vertrag zur akademischen Hebammenausbildung geben und damit die Möglichkeit auf ein hebammenwissenschaftliches Studium. Das heißt im Umkehrschluss: Wer keinen akademischen Ausbildungsvertrag bei einem unserer verantwortlichen Praxiseinrichtungen bekommt, kann nicht bei uns studieren.

Damit ergeben sich zum einen Vorteile für die kooperierenden verantwortlichen Praxiseinrichtungen, wo liegen zum anderen auch Vorteile für die Studieninteressierten?

Prof. Dr. Martina Schlüter-Cruse: Bislang teilen wir als Hochschule die Studierenden den verantwortlichen Praxiseinrichtungen zu. Dabei versuchen wir natürlich individuelle Wünsche zu berücksichtigen, diese können jedoch nicht immer in Gänze erfüllt werden. Zukünftig können sich Studieninteressierte direkt bei der Klinik bewerben, die sie für ihre berufspraktische Studienphase, zum Beispiel aufgrund der geografischen Lage, der Größe oder des Profils bevorzugen. Sie können sich auch bei mehreren Kliniken bewerben. Wann die Kliniken ihre jeweilige Bewerbungsphase starten und wie genau das Bewerbungsverfahren jeweils gestaltet ist, das legen die Kliniken eigenverantwortlich und auch unterschiedlich fest. Jede Einrichtung bestimmt das eigene Verfahren zur Bewerbung – inklusive der jeweiligen Bewerbungsfrist –, diese werden sich deshalb unterscheiden.

Prof. Dr. Martina Schlüter-Cruse: „Ich denke, dass es die Vielfalt ist, die viele in den Beruf bewegt."

Wie steuert die Hochschule künftig, dass sie von den Kliniken nicht mehr Studierende zugewiesen bekommt, als sie Studienplätze hat?

Prof. Dr. Martina Schlüter-Cruse: Die Hochschule schließt auch zukünftig Kooperationsverträge mit den verantwortlichen Praxiseinrichtungen ab. In diesen Kooperationsverträgen ist eine jeweils fest vereinbarte Anzahl an zu vergebenen Studienplätzen festgelegt. Diese Anzahl variiert zwischen den Kliniken und kann sich innerhalb einer Klinik auch bei Studienstart im Winter- und Sommersemester unterscheiden. Über die Kooperationsvereinbarung steuern wir, dass die Einrichtungen uns nicht mehr Studieninteressierte senden als wir Studienplätze haben.

Mit wie vielen verantwortlichen Praxiseinrichtungen kooperiert die HS Gesundheit aktuell?

Prof. Dr. Martina Schlüter-Cruse: Aktuell kooperieren wir mit 29 verantwortlichen Praxiseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen. Wir nehmen aber kontinuierlich neue Kliniken auf, die mit uns kooperieren möchten. Daher lohnt sich für Studieninteressierte immer wieder ein Blick auf die Liste der verantwortlichen Praxiseinrichtungen auf unserer Website, die fortlaufend aktualisiert wird.

Die Studierenden absolvieren in ihrem Studium 2.200 Praxisstunden. Verbringen sie diese dann ausschließlich in der Klinik, über die sie ihre akademische Ausbildung absolvieren?

Prof. Dr. Martina Schlüter-Cruse: Nein, die Studierenden werden die verantwortliche Praxiseinrichtung – das sogenannte Haus 1 – einmal wechseln und für zwölf Wochen bei einer zweiten mit uns kooperierenden Klinik – dem sogenannten Haus 2 – eingesetzt sein. Dort absolvieren sie einen Einsatz in der Kinderklinik, im Operationssaal beziehungsweise der gynäkologischen Ambulanz sowie im Kreißsaal. Dieser Wechsel ist uns sehr wichtig, damit die Studierenden unterschiedliche Versorgungslevel kennenlernen und erfahren, dass sich die Betreuungskonzepte in den Kreißsälen unterscheiden können. Zusätzlich absolvieren die Studierenden einen zwölfwöchigen Einsatz bei freiberuflichen Hebammen oder in ambulanten hebammengeleiteten Einrichtungen. Letzterer Einsatz kann auch im europäischen Ausland absolviert werden.

Wie wird ein gelungener Theorie-Praxis-Transfer sichergestellt?

Prof. Dr. Martina Schlüter-Cruse: Unser Curriculum verzahnt Theorie und Praxis eng miteinander. Dem Praxiseinsatz geht immer die entsprechende Theorie und das Trainieren von praktischen Fertigkeiten in unseren Skills-Labs voraus. Die Skills-Labs sind neben den theoretischen Lehrveranstaltungen und klinischen sowie außerklinischen Praxiseinsätzen ein wichtiger dritter Lernort, der die Studierenden auch durch das Trainieren von komplexen Notfallszenarien, in denen seltene Ereignisse geübt werden können, bestmöglich auf die Praxis vorbereitet. Wir pflegen zu unseren Kooperationspartner*innen einen engen Austausch und bieten regelmäßige Praxiskooperationstreffen an der Hochschule sowie Fortbildungsangebote in Form von After Work Lectures an. Ein wichtiges Bindeglied zwischen Theorie und Praxis sind unsere Praxisbegleiter*innen. Das sind wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, die Studierende im Rahmen ihrer berufspraktischen Einsätze besuchen, sie gemeinsam mit den Praxisanleiter*innen vor Ort in der Praxis anleiten und den Lernprozess an der Schnittstelle zur Praxis engmaschig begleiten. Außerdem bieten wir als Hochschule eine berufspädagogische Fortbildungsreihe für Praxisanleiter*innen aus Kliniken aber auch außerklinischen Einrichtungen an, in der wir sehr gezielt auch Fragestellungen zum Hebammenstudium, zum Beispiel zu Prüfungs- und Bewertungsinstrumenten im Rahmen der staatlichen praktischen Prüfungen in den Mittelpunkt stellen. Die Praxisanleiter*innen in den Kliniken und in der Außerklinik nehmen eine wichtige Rolle im Lernprozess angehender Hebammen ein.

Prof. Dr. Martina Schlüter-Cruse: „Es ist eine große Freude Frauen und Familien durch diese besondere Lebensphase von Beginn Schwangerschaft bis in die frühe Elternschaft begleiten zu dürfen."

Sie sind für die berufspraktische Ausbildung der Studierenden vor Ort verantwortlich, gestalten Lernsituationen und geben ihr breites Praxiswissen weiter. Darüber hinaus haben wir ein Praxisbegleitkonzept konzipiert, damit die Praxispartner nachvollziehen können, mit welchem Wissen die Studierenden in die Praxis kommen. Lern- und Praxisaufgaben sind hier ein wichtiger Bestandteil und erleichtern zusätzlich den Transfer.

Die hauptamtlich Lehrenden im Studienbereich Hebammenwissenschaft sind selbst erfahrene Hebammen oder Ärzt*innen und können die Studierenden optimal in ihrem Lernprozess begleiten. Was macht den Hebammenberuf aus?

Prof. Dr. Martina Schlüter-Cruse: Es ist eine große Freude Frauen und Familien durch diese besondere Lebensphase von Beginn Schwangerschaft bis in die frühe Elternschaft begleiten zu dürfen. Die Betreuung ist dabei sehr individuell und orientiert sich an den Bedürfnissen der Frauen und Familien. Durch die aufsuchende Begleitung, zum Beispiel im Rahmen häuslicher Wochenbettbesuche, besteht häufig ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen Hebammen und den von ihnen betreuten Frauen und Familien. Natürlich gibt es auch herausfordernde Situationen, aber die schönen und positiven Seiten überwiegen. Ich denke, dass es die Vielfalt ist, die viele in den Beruf bewegt. Hebammen arbeiten im klinischen und außerklinischen Bereich, angestellt oder freiberuflich und können durch weitere Qualifizierung auch das Feld der Wissenschaft und Forschung in der noch jungen Disziplin der Hebammenwissenschaft erschließen. Studien zur Versorgungssituation in Deutschland zeigen, dass zahlreiche Hebammen klinische und außerklinische Tätigkeiten kombinieren und häufig in beiden Feldern tätig sind. Das hält den Beruf spannend.

Wie sind die Zukunftsaussichten für werdende Hebammen?

Prof. Dr. Martina Schlüter-Cruse: Die Zukunftsaussichten in der beruflichen Praxis sind sehr gut, da es aktuell in einigen Regionen in Deutschland schwierig ist, eine flächendeckende Versorgung mit Hebammenhilfe sicherzustellen. Mit dem Bachelorstudium Hebammenwissenschaft erhalten die Studierenden eine fundierte Basis, um den komplexen Anforderungen der heutigen Versorgungspraxis gerecht zu werden und die Versorgung von Frauen und Familien bestmöglich und auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse zu gestalten. Darüber hinaus haben sie vielfältige Möglichkeiten sich als Hebamme im Beruf oder im Rahmen einer wissenschaftlichen Karriere weiterzuentwickeln – den Platz für sich zu finden, in dem sie sich verwirklichen möchten.

Foto: Jürgen Nobel/Grafik: HS Gesundheit
lernen & lehren
|
30. Juni 2023

Als Hebamme Frauen und Familien individuell beraten und betreuen

Serie #HauptSacheGesundheit: Folge 5 – Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft
Foto: Adobe Stock/deagreez
kooperieren & vernetzen
|
21. Dezember 2023

„Die Vielfalt im Hebammenalltag hat mich sofort fasziniert.“

Alumni-Interview: Tanja Kröll arbeitet heute als freiberufliche Hebamme