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Der Senat – „ein machtvolles Gremium“

Prof.in Dr.in Nicola Bauer, Hebammenwissenschaftlerin an der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum), ist seit Februar 2016 Vorsitzende des Senats der Hochschule. In einem Interview mit dem hsg-magazin schaut sie auf ihre Jahre der Mitgliedschaft im Senat und auf ihr Amt als Vorsitzende zurück.

Frau Prof.in Bauer, Sie waren in der Findungskommission für den neuen Präsidenten, sie waren Prodekanin an der Hochschule und seit Anfang 2016 sind Sie Vorsitzende des Senats. Warum engagieren Sie sich neben Ihrer Tätigkeit als Professorin und Leiterin des Studienbereichs Hebammenwissenschaften so vielfältig für die Hochschule?

Prof.in Dr.in Nicola Bauer: Zum einen liegt es daran, dass die Hochschule recht klein ist und es keine Auswahl an vielen Personen gibt. Andererseits bin ich aber auch eine Person, die gerne mitgestaltet. Ich bin ja seit April 2010 an der Hochschule und erlebte meine Tätigkeit hier als eine Pionier- und Aufbauarbeit, wie ich sie in meinem bisherigen Berufsleben bereits hatte. So habe ich zum Beispiel in Berlin ein Geburtshaus mitaufgebaut, welches wir ohne Vorgaben kreieren konnten. Dieses Kreative finde ich grundsätzlich spannend, auch hier so weit es in den Hochschulstrukturen möglich ist. Die Aufbauarbeit bietet immer neue Chancen. Nachdem die Hochschule im Jahr 2009 gegründet wurde, haben wir ab dem Jahr 2010 zahlreiche Grundordnungen, Prüfungsordnungen und Vorgaben besprochen und verabschiedet.

Was macht das Gremium ‚Senat‘ für Sie aus?

Bauer: Den Senat fand ich spannend. Er ist das demokratische Gremium in der Hochschule. Das Hochschulgesetz hat ihn mit vielen Kompetenzen und zum Teil auch mit viel Macht ausgestattet. Ziel des Senats ist es, alle Gruppen der hsg Bochum an den Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Der Senat kann das Rektorat wählen oder abwählen. Er bestimmt die Grundordnung mit, fasst Beschlüsse, kann Wahlen anregen und dann auch durchführen. Es wird oft vergessen, dass es ein machtvolles Gremium ist. Der Senat ist sehr unterschiedlich besetzt – mit den gewählten Mitgliedern, also den stimmberechtigten und den nicht stimmberechtigten Mitgliedern.

Die Zusammensetzung wurde zwischenzeitlich auch geändert…

Bauer: Ja, als ich begonnen hatte im Senat als Mitglied der Hochschullehrer*innen, gab es eine Studentin oder einen Studenten – bei uns an der hsg Bochum war es in der Regel immer eine Studentin. Im Herbst 2015 hatte der Senat dann eine neue Grundordnung beschlossen. Während die Gruppe der Hochschullehrer*innen weiterhin mit vier Personen im Senat vertreten ist, wurde die Gruppe der Studierenden von bislang einem Mitglied auf vier Mitglieder aufgestockt. Von jeweils einer Stimme auf jeweils zwei Stimmen war die Mitbestimmung im Senat für die beiden Gruppen der Mitarbeiter*innen aus der Wissenschaft sowie aus dem Bereich Technik und Verwaltung gestärkt worden. Jetzt ist der Senat paritätisch mit vier Hochschullehrer*innen, vier Student*innen und vier Beschäftigten aus dem Mittelbau besetzt. So konnten wir das Ziel des Senats umsetzen, alle Gruppen der Hochschule an den Entscheidungsprozessen zu beteiligen.

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Wie bewerten Sie die Größe des Senats mit jetzt zwölf Mitgliedern?

Bauer: Mit der Zahl von zwölf stimmberechtigten Mitgliedern sind wir gut bedient. Ich versuche auch, alle stimmberechtigten Mitglieder mit in die Diskussion einzubeziehen und auf Augenhöhe zu diskutieren. Denn manchmal ist so etwas wie Hierarchiegefälle zu spüren. Stellen wir uns vor, Sie sitzen als Studentin im Senat vier Hochschullehrer*innen gegenüber. Eventuell haben Sie bei den Hochschullehrer*innen Module belegt. Wir versuchen, so eine Stimmung überhaupt nicht aufkommen zu lassen, aber aus Sicht der Student*innen ist eine Zurückhaltung verständlich. Es ist ja auch schwierig, sich vor einem Gremium – es sitzen ja dreißig oder vierzig Personen bei einer Senatssitzung im Saal – zu äußern und sogar kritisch zu äußern.

Wie können Sie diese Situation für Studierende vereinfachen?

Bauer: Wir haben besprochen, dass wir optional, also wenn es gewünscht ist, Vorbesprechungen mit den stimmberechtigten Mitgliedern führen über Themen, die vielleicht kritisch sind oder von denen die Studierenden nicht wissen, wie sie sich positionieren sollen, schließlich sind die Studierenden nur für ein Jahr gewählt und sollen Entscheidungen treffen, die weit über ihren Verbleib an der Hochschule tragen sollen. Solche Themen besprechen wir gern vorher.

Werden solche Vorbesprechungen nicht als Absprachen angesehen, die ein Gremium wie den Senat untergraben können?

Bauer: Ich kann gut verstehen, wenn solche Vorbesprechungen kritisch gesehen werden. Für uns war es in der Anfangszeit wichtig, auszuloten, was meine Aufgabe als Mitglied im Senat ist, wie weit ich gehen kann, was geht und was nicht. Am 27. November 2019 wurde der Senat an der hsg Bochum neu gewählt. Es sind jetzt auch wieder neue studentische Vertreter*innen im Senat. Ich halte eine Begleitung der Studierenden für sinnvoll.

Wie sieht denn der Ablauf genau aus?

Bauer: Wir erhalten zwei Wochen vor dem Senat die Unterlagen und dann treffen wir uns eine Woche vor der Sitzung und sprechen über die Themen. Natürlich schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Zunächst hatte ich Bedenken, dass in der Senatssitzung nicht mehr diskutiert wird, wenn schon im Vorfeld zu viel ausdiskutiert wurde. Bislang haben wir damit gute Erfahrungen gemacht.

Sie haben eben erklärt, wie mächtig der Senat ist. Warum treten die Entscheidungen des Senats nicht so in die Öffentlichkeit?

Bauer: Die Senatssitzungen sind hochschulöffentlich und finden zweimal im Semester statt. Die Protokolle sind auch hochschulöffentlich. Manchmal ist auch ein*e Vertreter*in vom  Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) als nicht-stimmberechtigtes Mitglied dabei. Die Professor*innen und die akademischen Mitglieder tragen die Themen in ihre Statusgruppen weiter.

Was ist Ihnen beim Eintritt in den Senat besonders schwer gefallen?

Bauer: Es war für mich nicht so einfach zu sagen, ich gehe jetzt gedanklich aus meinem Department heraus und bin jetzt, in diesem Augenblick, Senatsmitglied und muss im Senat auf Wohl und Wehe der gesamten Hochschule schauen. Ich war zu der Zeit auch noch Prodekanin des Departments für Angewandte Gesundheitswissenschaften (DAG) und gewohnt, die Sichtweise des DAG einzunehmen. Immer wieder musste ich mir klarmachen, dass ich im Senat als Hochschullehrerin gewählt wurde und in dieser Rolle schauen musste, was für die Hochschule wichtig ist.

"Jetzt, in diesem Augenblick bin ich Senatsmitglied." (Prof.in Dr.in Nicola Bauer)

Wenn Sie auf die letzten fünf Jahre zurückblicken, welche Themen waren besonders wichtig?

Bauer: Herausragend war für mich der Moment, als Frau Prof. Dr. Anne Friedrichs als Präsidentin und Herr Werner Brüning als Kanzler in die zweite Amtszeit gegangen sind. Es war auch herausragend über bestimmte Grundordnungen zu sprechen, Entscheidungen zu fällen, den Bericht der Hochschule abzugeben. Es war nicht leicht, das richtige Maß für den Senat zu finden. Wie viele Informationen benötigen wir? Welche Informationen benötigen wir nicht? Der Hochschulentwicklungsplan (HEP) musste neu entwickelt werden. Wir mussten uns überlegen, in welche Matrix wir den HEP übertragen. Das Forschungsförderkonzept, welches jetzt von der Forschungskommission vorgelegt wurde, ist wichtig. Ganz spannend fand ich auch die Gründung der Ethikkommission der hsg Bochum, die Gründung des Forschungsinstituts durch die Forschungskommission und die Gründung des Interprofessionellen Gesundheitszentrums (InGe). Diese Entscheidungen über die Fragen, was wird ein Institut, was wird eine zentrale Einrichtung der Hochschule, welche neuen Studiengänge soll es geben, zu welchen Themen nimmt der Senat Stellung, welche Strategien müssen erarbeitet werden, finde ich spannend.

Das sind viele Themen…

Bauer: Ja, und es war auch nicht leicht zu entscheiden, mit welchen Themen sich der Senat überhaupt zu beschäftigen hat. Welche Themen können wir bündeln? Zu welchen Themen muss der Senat sich verhalten oder äußern? Im Senat werden die Berichte von den nicht-stimmberechtigen Senatsmitglieder, also vom Präsidium, von den Dekan*innen und von den Personalräten, abgegeben. Das sind viele Informationen. Die Sitzung dauern in der Regel drei bis dreieinhalb Stunden. Manchmal ist auch das eine Herausforderung.

Wie wurden die Aufgaben des Senats denn festgelegt?

Bauer: Im Gesetz steht ganz klar, womit sich der Senat beschäftigt: Das ist die Grundordnung, Wahl und Abwahl des Rektorats, also die Entscheidungen, die in der Hochschule relevant sind. Aber das allein wäre zu wenig. Und da bin ich ganz froh, dass wir – aus meiner Warte als Senatsvorsitzende gesehen – eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Präsidentin haben, wenn wir die Sitzung vorbereiten. Häufig beschäftigt sich der Senat auch mit Themen, die nicht im Gesetz stehen, die aber wichtig für die Hochschule sind. Besonders spannend an der Senatsarbeit finde ich die Auseinandersetzung mit den Themen, die eine Positionierung erfordern. Wir suchen nach Antworten auf die Frage, wie sich die Hochschule positioniert, wo sie hinwill.

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Hebammenwissenschaftlerin Prof.in Dr.in Nicola Bauer (links im Bild) mit ihren hsg-Kolleginnen Prof.in Dr.in Ute Lange, Prof.in Dr.in Annette Bernloehr und Prof.in Dr.in Rainhild Schäfers. Foto: hsg Bochum / Volker Wiciok

Der Senat entwickelt also die Zukunft der Hochschule mit?

Bauer: Manche Themen kann die Hochschule entwickeln und steuern. Bei anderen Themen werden wir geschubst, wie zum Beispiel beim Thema Akademisierung und der Frage, wie lange welche Studiengänge ihren Modellcharakter behalten. Gestalten können wir, indem wir die Gesundheitsversorgung weiterdenken, wie wir es im Department of Community Health tun, oder wenn wir uns überlegen, welche innovativen Ideen wir sonst noch haben. Welche Studiengänge braucht die hsg Bochum? Welche Forschungsschwerpunkte? Welche Weiterbildungsangebote benötigen wir? Wie offen sind wir als Hochschule auch für Menschen auf dem zweiten Bildungsweg? Werden wir auch die Weiterbildung für Praxisanleiter*innen, die in den Studienbereichen stattfinden, anbieten? Wichtig ist auch die Frage, wie wir uns künftig international vernetzen. Mit wem wollen wir kooperieren?

Inwiefern ist die Hochschule selbst, also als Gebäude, Arbeitsstätte und Arbeitgeber, auch Thema im Senat?

Bauer: Im Senat ist nach dem Umzug im Jahr 2015 das Sicherheitskonzept besprochen worden. Dabei hat die hsg-eigene Befragung zu den ‚Angsträumen‘ an der Hochschule eine Rolle gespielt. Wie kann das Sicherheitskonzept weiter verbessert werden? Im Senat berichtet der Kanzler auch über den geplanten Erweiterungsbau. Wir mieten ja bereits neue Räumlichkeiten an, weil wir aus allen Nähten platzen. Im Mittelpunkt der Diskussionen steht die Frage, wie groß die hsg Bochum denn eigentlich werden will.

Ein kurzes Resümee?

Bauer: In den Senatssitzungen können wir konstruktiv zusammenarbeiten und uns dabei auch konträr austauschen. Es ist wichtig, dass auch kritische Nachfragen gestellt werden. Die Atmosphäre im Senat stützt dies. Es gibt viele spannende Diskussionen und wir können uns gut austauschen.
Insgesamt bin ich seit 2012 Mitglied im Senat. Rückblickend kann ich sagen, dass wir uns immens weiterentwickelt haben. Das war nicht immer leicht, aber ich fand und finde die Arbeit im Senat gewinnbringend und möchte diese letzten Jahre nicht missen.


Text: Das Interview führte Dr. Christiane Krüger, Pressesprecherin der hsg Bochum. Der Text erschien am 27. November 2019 im hsg-magazin.

Aufmacher: Prof.in Dr.in Nicola Bauer, seit Februar 2016 Vorsitzende des Senats der Hochschule für Gesundheit in Bochum. Foto: hsg Bochum

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