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Die Zukunft der Gesundheitsfachberufe

Wie geht es mit der Akademisierung der Gesundheitsfachberufe weiter? Im November 2017 ist im Rahmen der letzten Mitgliederversammlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) eine Entschließung zur hochschulischen Qualifizierung im Gesundheitswesen entstanden. Was genau darin gefordert wird, was dies für die Entwicklung der Gesundheitsfachberufe im Allgemeinen und die Hochschule für Gesundheit (hsg) im Speziellen bedeutet, darüber spricht die hsg-Präsidentin Prof. Dr. Anne Friedrichs mit dem hsg-magazin im Interview.

Für die Weiterentwicklung der Akademisierung kämpft die hsg ja schon seit ihrer Gründung im Jahr 2009. Welche Bedeutung hat es, dass jetzt auch die HRK in ihrer Entschließung diese Position vertritt?

Friedrichs: Dass die HRK jetzt offiziell die Position vertritt, dass die Ausbildung von Gesundheitsfachberufen ebenfalls akademisch angeboten werden sollte, ist sehr wichtig. Es gibt hierzu bereits seit 2012 eine klare Positionierung des Wissenschaftsrates, die in dessen Empfehlungen nachzulesen ist. Jetzt, immerhin erst fünf Jahre später, wurde die Entschließung der HRK verfasst. Diese lange Zeit dazwischen zeigt auch, dass die Position nicht ganz unumstritten gewesen ist. Deshalb freue ich mich, dass wir in diesen Punkten jetzt einen wichtigen Schritt vorangekommen sind.

Wenn Sie sich nun die Entschließung anschauen, sehen Sie dann Unterschiede zur Position der hsg?

Friedrichs: Wir haben keine grundsätzlich andere Position. In der Entschließung wird sehr viel Wert auf die Qualität der akademischen Ausbildung gelegt und das ist meiner Meinung nach ein Punkt, der gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Wir sehen leider, dass an einigen Hochschulen Studiengänge vorgehalten werden, die personell nicht angemessen ausgestattet sind. Hier sind die Hochschulen selber in der Verantwortung, denn sie sind ja frei in der Gestaltung ihrer Studiengänge und auch weitestgehend frei in der Entscheidung, wie sie mit welchen personellen und sachlichen Ressourcen Studiengänge ausstatten wollen. Man kann also nur an die Verantwortung der Hochschulen appellieren, hier das Beste für die Qualität der Studiengänge zu tun.

Außerdem hat sich die HRK noch mal dazu bekannt, dass die primärqualifizierenden Studiengänge das Modell der Zukunft sind. Diese bieten wir an der Hochschule für Gesundheit ja bereits seit dem Wintersemester 2010/2011 an. Auch insofern stimmen wir mit der HRK überein.

Um welche Punkte wurde gerungen?

Friedrichs: In der Diskussion im Plenum der HRK hat es viel Lob für das Papier gegeben. Es ist im Vorfeld die Frage aufgekommen, welcher der beste Weg ist, um die Ziele, die in dem Papier genannt werden, zu erreichen – und diese Frage ist weiterhin offen. Da gibt es einerseits die Vorstellung, dass die hochschulische Qualifikation im Gesundheitswesen am besten an Hochschulstandorten erreicht werden kann, die eine medizinische Fakultät haben, an die das Studium eng angebunden sein soll. Andererseits gibt es die Auffassung, dass man die Ausbildung  genauso gut an Hochschulen koppeln kann, an denen andere gesundheitsbezogene Fächer wie zum Beispiel Rehabilitationswissenschaften oder Psychologie vertreten sind. Auch dazu, wie die Berufsfachschulen eingebunden werden können und wie die Zusammenarbeit der Hochschulen mit den Praxiseinrichtungen sein sollte, darüber gibt es noch keine Übereinkunft. Aber wir diskutieren hier nicht mehr über das ‚ob‘, sondern über das ‚wie‘ der Akademisierung und das ist ein wichtiger Fortschritt.

In einem Teil in der Entschließung wird ja auch die Kooperation mit Universitätskliniken im Rahmen der akademischen Ausbildung gefordert. Begrüßen Sie dies?

Friedrichs: Da stimme ich absolut mit überein, weil es sich um klinisch ausgerichtete Studiengänge handelt. Aber meiner Meinung nach müssen wir nicht nur mit Universitätskliniken und akademischen Lehrkrankenhäusern zusammenarbeiten, sondern auch mit anderen stationären und ambulanten Einrichtungen des Gesundheitswesens außerhalb der Hochschulen, weil wir aus den Praxiseinrichtungen wichtige Impulse für eine noch bessere Qualifikation erhalten. An der Hochschule für Gesundheit achten wir daher verstärkt darauf, dass es in Praxisphasen eine gesicherte Betreuung für unsere Studierenden gibt. Außerdem legen wir Wert darauf, dass die Praxisbetreuer im engen Kontakt mit der Hochschule stehen und wir uns regelmäßig austauschen.

Welchen Status hat die Entschließung der HRK eigentlich? Müssen sich daran nun alle halten oder handelt es sich vielmehr um eine Empfehlung?

Friedrichs: Die Entschließung hat keinen verbindlichen Charakter, sie gibt vielmehr die Auffassung der HRK wieder. Aber in dieser sind immerhin 268 Hochschulen in Deutschland vertreten und somit hat die Entschließung ein großes politisches Gewicht. Wenn sich schon 2012 der Wissenschaftsrat und 2017 nun auch die Hochschulrektorenkonferenz ganz eindeutig dahingehend äußert, dass wir Studiengänge in den Gesundheitsberufen brauchen, dann ist natürlich auch die Politik aufgerufen, alles dafür zu tun, dass die Studiengänge jetzt auch regelhaft umgesetzt werden.

Was genau sollte denn nun in der Politik passieren?

Friedrichs: Die nächsten Schritte hierbei stehen an, sobald wir wieder eine neue Bundesregierung haben, denn der deutsche Bundestag ist zuständig für die entsprechende Gesetzgebung in den Berufsgesetzen, insbesondere für die Therapiestudiengänge sowie für die Hebammenkunde. Wir haben ja bereits das neue Pflegeberufegesetz, das auch eine akademische Ausbildung für die Pflege vorsieht – und das übrigens regelhaft und eben nicht nur im Rahmen eines Modells. Ich denke, ähnliche Schritte brauchen wir jetzt für die Therapiestudiengänge sowie für die Hebammenkunde. Damit die nächsten Schritte in der Entwicklung und Akademisierung der Gesundheitsfachberufe gegangen werden können, sind wir von der hsg aktuell mit der neuen Landesregierung im Gespräch und sind dies hoffentlich bald auch mit der neuen Bundesregierung.

Bei der Akademisierung der Gesundheitsfachberufe war die hsg Vorreiter. Haben Sie den Eindruck, dass die hsg daher so eine Art Vorbildfunktion für andere Hochschulen hat, die nun auch Studiengänge auf dem Gebiet anbieten oder anbieten wollen?

Friedrichs: Ich denke schon, dass wir eine Vorbildfunktion haben. Das kann ich natürlich nur aus eher informellen Gesprächen ableiten, wenn ich zum Beispiel Kolleg*innen anderer Hochschulen darüber informieren soll, wie wir die Akademisierung an der hsg umsetzen. Aber wir müssen zusehen, dass wir diese Vorreiterrolle auch behalten. Es gibt ja mittlerweile sehr viele Hochschulen deutschlandweit, die ähnliche Studiengänge in den Gesundheitsfachberufen auf den Weg bringen. An der hsg müssen wir daher dafür sorgen, dass wir unser besonderes Profil behalten und stärken. Dieses Profil erreichen wir durch unsere Studiengänge auf dem Gebiet der Gesundheitsfachberufe, aber auch durch die Einbettung in andere Themen und andere Studienangebote. Am Department of Community Health nehmen wir zum Beispiel die Fragen der sozialräumlichen Einbindung und das Thema Diversität stark in den Fokus, was gerade an unserem Standort im Ruhrgebiet ein besonders wichtiges Thema ist.


Das Interview führte Dr. Anna Knaup, Online-Redakteurin des hsg-magazins
Aufmacher: hsg/Volker Wiciok

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