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DAS ONLINE-MAGAZIN DER HOCHSCHULE FÜR GESUNDHEIT IN BOCHUM

Mit Mut und Unternehmergeist zum Ziel

Eigentlich hatte Christian Timmreck vor, direkt nach der Realschule auf das Gymnasium zu wechseln und sein Abitur zu machen. Doch seine Leidenschaft für Musik und sein Unternehmergeist kamen ihm dazwischen – ein Umstand, den der heutige Präsident der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum) nie bereut hat.

Angefangen hatte alles mit einer stetig wachsenden Plattensammlung, die nicht mit dem Taschengeld eines Teenagers vereinbar war. So verdiente sich der gebürtige Krefelder zunächst Geld als Diskjockey auf Partys hinzu. Schnell wurde ihm klar, dass es noch lukrativer sein müsste, wenn man die Party gleich selbst veranstalten würde. Gesagt, getan. „Zu unseren besten Zeiten hatten wir  Events mit 3000 Gästen“, erinnert sich Timmreck. Doch mit dem Erfolg kamen dem damals 16-Jährigen auch Zweifel, ob das Abitur wirklich der richtige Weg für ihn wäre. „Ich wollte erst einmal das kaufmännische Wissen erwerben“, erklärt er. So entschied er sich nach der Realschule für eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Thyssen Edelstahlwerke AG.

Der Beruf des Sachbearbeiters war Timmreck dann jedoch zu eng. „Mir war klar, ich will mehr wissen und dazulernen“, erzählt er. So folgte nun doch noch das Abitur – allerdings auf einem Wirtschaftsgymnasium. Im Anschluss schrieb sich Timmreck in Betriebswirtschaftslehre an der Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt ein. Ein Glücksgriff, wie Timmreck heute findet, denn an der Wirtschaftsfakultät in Ingolstadt bekam Timmreck Kontakt mit der Banken- und Finanzwelt.

„Mir war klar, ich will mehr wissen und dazulernen.“

„Vor dem Studium wollte ich nie für eine Bank arbeiten – das war eher ein rotes Tuch für mich“, erinnert er sich. Angestoßen durch eine Ringvorlesung macht er diverse Praktika und Seminare im Bereich Investmentbanking und wird Werkstudent im Bereich Mergers & Acquisitions (M&A) (Anmerkung der Redaktion: Sammelbegriff für Transaktionen im Unternehmensbereich). Trotz seiner anfänglichen Skepsis wird ‚Finanzierung und Bankbetriebslehre‘ zu Timmrecks Studienschwerpunkt.

Promotion zum Thema Unternehmensbewertung

Es ist die Aufgabenvielfalt, die den BWL-Studenten begeistert: „Man hat immer wieder etwas Neues gesehen. An einem Tag hat man sich intensiv mit einer Molkerei auseinandergesetzt und am nächsten mit einem Automobilzulieferer.“ Das einzige, was Timmreck nicht so recht gefallen will, ist die Art, wie zu dieser Zeit noch Unternehmen bewertet werden. „Da gab es ein Exceltool, in das wurden dann die Daten aus Bilanz sowie Gewinn-und-Verlust-Rechnung eingegeben und fertig. Ich dachte, da muss doch mehr dahinterstecken“, so Timmreck. Für ihn war klar, dass er nach seinem Diplom am Thema Unternehmensbewertung dranbleiben und dieses zu seinem Forschungsschwerpunkt machen möchte.

Als er erfährt, dass an der Universität Witten/Herdecke gerade ein Institut mit dem Schwerpunkt M&A gegründet wird, steht für ihn fest, dass er dort arbeiten will. Dass das Institut gerade erst in der Gründung begriffen ist und sich ein regulärer Betrieb erst entwickeln muss, stört ihn nicht. Timmreck wird der erste wissenschaftliche Mitarbeiter des ‚Institut for Mergers & Acquisitions‘ und promoviert zum Thema Unternehmensbewertung. Er genießt die Entfaltungsmöglichkeiten des jungen Forschungszweiges, organisiert internationale Kongresse mit und ist maßgeblich am Aufbau eines Weiterbildungskonzeptes beteiligt.

Nach seiner Promotion überlegt Timmreck an der Hochschule zu bleiben, doch er bekommt ein Angebot der Boston Consulting Group (BCG), das er nicht ablehnen kann. Es folgen zwei anstrengende Jahre – geprägt von ständigen Dienstreisen und Nachtschichten im Büro. Trotzdem will Timmreck sie nicht missen. „Ich hatte eine tolle Zeit, in der ich viel gelernt habe. Aber irgendwann hat meine Frau mir die gelbe Karte gezeigt. Unser Lebensmodell bestand nicht darin, dass ich überwiegend in Hotelzimmern wohne, während sie unseren Sohn aufzieht.“

So landet Timmreck schließlich bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY). Dort bleibt er sieben Jahre und ist am Ende Hauptverantwortlicher für den Bereich M&A am Standort Düsseldorf. „Neben der Prozesskompetenz ist ein fundiertes Branchenwissen unerlässlich, um Kunden professionell beraten zu können“, erklärt Timmreck. Zunächst arbeitet er viel mit Kunden aus der Automobilbranche oder dem Maschinen- und Anlagenbau. Doch mit seinem Team begibt er sich auf die Suche nach einer neuen, zukunftsträchtigen Branche und entscheidet sich bewusst für die Gesundheitswirtschaft. Von nun an ist die Beratung von Kunden aus den Bereichen Biotechnologie, Pharmazie, Versorgung und Medizintechnik sein Hauptschwerpunkt.

Gesundheit betrifft alle

Was für Timmreck das Besondere am Gesundheitswesen ist? „Über eine Milliarde Euro werden im deutschen Gesundheitswesen täglich erwirtschaftet. Das entspricht mehr als 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und mit 7,6 Millionen Beschäftigten ist jeder sechste Arbeitsplatz in Deutschland von der Gesundheitswirtschaft abhängig. Außerdem ist Gesundheit das wichtigste Gut und betrifft jeden einzelnen.“ Für Christian Timmreck steht damit die herausgehobene Relevanz des Gesundheitswesens in der Gesellschaft außer Frage. Es müsse aber auch möglich sein, über die Ökonomisierung des Gesundheitswesens nachzudenken, ohne sofort kritisiert zu werden, so Timmreck. Es gehe vor allem darum, Prozesse effizienter zu machen, sodass mit den vorhandenen Ressourcen eine bessere Versorgung gewährleistet werden kann. In diesem Kontext kommt der Digitalisierung eine entscheidende Rolle zu.

Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit übernahm Timmreck auch immer Lehraufträge an verschiedenen Hochschulen. Für ihn war klar, dass es irgendwann zurück in die Wissenschaft gehen sollte. Eine Ausschreibung der Hochschule Niederrhein in seiner Heimatstadt Krefeld kam daher wie gerufen. So wurde Timmreck dort im Jahr 2015 Professor für Unternehmensstrategie und Finanzwirtschaft im Gesundheitswesen. Seit Anfang 2018 bekleidete er außerdem das Amt des Dekans des Fachbereichs Gesundheitswesen. Seine neue Aufgabe als Präsident der Hochschule für Gesundheit in Bochum nennt er eine perfekte Weiterentwicklung dieses Werdegangs. Er blickt seinen zukünftigen Aufgaben mit Spannung entgegen. „Angst habe ich keine, allerdings einen gesunden Respekt“, so Timmreck.

„Angst habe ich keine, allerdings einen gesunden Respekt.“

Privat ist es dem 47-Jährigen wichtig, Zeit mit der Familie zu verbringen. Egal, ob bei gemeinsamen Urlauben oder beim Kochen, was er zu seinen Hobbys zählt. In seiner Freizeit fährt er begeistert Motorrad und das Interesse für Musik hat sich mittlerweile auf seinen 15-jährigen Sohn übertragen, der Jazz-Schlagzeuger ist. So sieht man beide nicht selten gemeinsam bei Konzerten. Ob Timmreck seinem Sohn heute auch raten würde, erst eine Ausbildung zu absolvieren? Vermutlich schon, denn rückblickend sei er mit der Entscheidung seines 16-jährigen Ichs zufrieden. Ohne sie wäre er vielleicht nicht an derselben Stelle wie heute.


Text: Judith Merkelt-Jedamzik, Online-Redakteurin des hsg-magazins. Der Text erschien am 16.01.2020 im hsg-magazin.

Aufmacher: Prof. Dr. Christian Timmreck im Januar 2020 kurz nach Beginn seiner Amtszeit als Präsident der Hochschule für Gesundheit. Foto: hsg Bochum

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