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Das Bild zeigt Hannelore Loskill.
Foto: HS Gesundheit/jmj

Neu im Hochschulrat

4. November 2021

Als Hannelore Loskill, unter anderem Bundesvorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE, gefragt wurde, ob sie im Hochschulrat der Hochschule für Gesundheit mitwirken möchte, war Sie schnell überzeugt. In welchem Bereich sich Loskill besonders einbringen möchte und welche Chancen sie beispielsweise in der Digitalisierung sieht, beantwortet sie im Interview mit dem Online-Magazin der Hochschule für Gesundheit.

Wie war Ihre Reaktion, als Sie gefragt wurden, ob Sie Mitglied im Hochschulrat der Hochschule für Gesundheit werden möchten?

Hannelore Loskill: Ich war überrascht, dass es so eine Einrichtung gibt! Ich habe mich dann ein bisschen in die Thematik eingelesen und mir gesagt: Okay, ich mache das. Insbesondere der Aspekt von „Behinderung und Inklusion“ ist seit Jahren mein täglich Brot. Ich finde das sehr interessant und hoffe, mich auch in dem Bereich künftig einbringen zu können.

Sie bezeichnen sich als „im Un-Ruhestand“, sind unter anderem Bundesvorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE und Mitglied im Sprecherrat des Deutschen Behindertenrates. Woher nehmen Sie die Kraft für Ihr Engagement?

Hannelore Loskill: Ich kann so schlecht Nein sagen. Und dann macht es mir außerdem auch noch Spaß.

Sie selber haben eine Sehbehinderung …

Hannelore Loskill: … ja, und die war der Grund für die Ausbildung zur Informatikerin, da mein damaliger Chef nach mehreren Augenoperationen der Meinung war, ich solle einen Beruf erlernen, den ich auch blind ausüben kann. Aber ganz blind bin ich Gott sei Dank noch nicht.

Sie studierten dann in Heidelberg Informatik?

Hannelore Loskill: Ich habe an der Fachhochschule in Heidelberg eine Ausbildung zur Diplom-Informatikerin gemacht und dort viele andere Menschen mit Behinderung kennengelernt, ebenso einige Selbsthilfeorganisationen, in denen sie aktiv sind. Nach dem Studium fing ich dann direkt im Rechenzentrum der Universität Düsseldorf an und war dort mehr als 30 Jahre als Diplom-Informatikerin tätig.

Als mein Sehvermögen mehr und mehr nachließ, benötigte ich irgendwann spezielle Beratung und Unterstützung, die ich erst nirgendwo fand. Auf Umwegen kam ich dann zu einer Selbsthilfegruppe von Menschen mit Sehbehinderung. Und auch dort knüpfte ich wieder Kontakte und engagierte mich ehrenamtlich. So kam eines zum anderen …

… und Sie engagierten sich immer mehr?

Hannelore Loskill: Genau. Zu meiner Sehbehinderung kamen noch chronische Erkrankungen hinzu. Und auch da lernte ich wieder den Selbsthilfebereich kennen und kam in verschiedene Organisationen. Ich ging in die Landesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE NRW und in die Bundesarbeitsgemeinschaft. Es ergab sich alles so – und sich zu engagieren macht viel Freude.

Kann man auch Dinge verändern?

Hannelore Loskill: Na, man kann zumindest versuchen anzustoßen, dass sie sich ändern. Wir haben einiges erreicht. Trotz Corona. Oder gerade deswegen.

Wie meinen Sie das?

Hannelore Loskill: Dass sich die Digitalisierung durch Corona rascher weiter entwickelt hat, war gut, hat aber auch Defizite aufgezeigt. Dadurch waren viele Menschen gezwungen, auf anderen Wegen zu kommunizieren, die vertrauten Pfade zu verlassen und neue auszuprobieren. Durch die Digitalisierung hat sich die Art der Wahrnehmbarkeit verändert und gerade für mich war durch die Online-Veranstaltungen viel mehr Teilhabe möglich als sonst. Wichtig ist dabei aber, den Unterstützungsbedarf auch immer wieder in die Politik zu tragen, denn die Digitalisierung hat zwei Seiten.

"Es ist wichtig, Menschen mit Behinderung und chronischen Erkrankungen zu Wort kommen zu lassen."

Inwiefern?

Hannelore Loskill: Das Thema Behinderung und chronische Krankheiten ist immer ein Randthema gewesen, sowohl im sozialpolitischen Bereich als auch im Gesundheitsbereich. Was betroffene Menschen tun können, wird in der Öffentlichkeit sehr selten wahrgenommen. Dadurch, dass die Digitalisierung nun aber in den Vordergrund gerückt wurde, konnten wir das Thema auf verschiedenen Ebenen voranbringen. Durch die digitalen Formate können sich auch Menschen mit Beeinträchtigungen beteiligen, was früher undenkbar war. Zugleich gibt es aber auch Bereiche, in denen schließen sich Digitalisierung und Inklusion gegenseitig fast schon aus, weil zu viele Barrieren da sind. Das erlebe ich im Alltag zum Beispiel dann, wenn es nach wie vor Bank- oder Fahrkartenautomaten gibt, die ich als sehbehinderter Mensch nicht bedienen kann. Und so etwas erleben viele Menschen auch im Beruf.

Zum Beispiel?

Hannelore Loskill: Ich habe mich vor einigen Jahren, als das Thema Akademisierung in der Physiotherapeutenausbildung aufkam, sehr aufgeregt, weil mir bewusst war, dass die jungen Menschen, die von Sehbehinderten- und Blindenschulen in die Ausbildung zum medizinischen Masseur und Bademeister gehen, um hinterher sehr erfolgreich als Masseur*innen zu arbeiten, diesen akademischen Weg nicht gehen können. Inzwischen gibt es auch technische Barrieren. Da bin ich gespannt, wie es in der Hochschule gehandhabt wird.

Wie stehen Sie generell zum Thema Akademisierung?

Hannelore Loskill: Es ist der erklärte politische Wille und auch die Notwendigkeit, dass in den Fachberufen eine Akademisierung stattfindet, einfach damit Personen, die in diesen Berufen in leitenden Funktionen tätig sind, auf Augenhöhe mit den Ärzten arbeiten können. In der Vergangenheit hatte ich den Eindruck, dass diese Berufe von Ärzten zuweilen nicht so ernst genommen werden, obwohl eine extrem gute Arbeit gemacht wird. Dazu kommt, dass es zum Beispiel im Pflegebereich durch den Umfang auch der organisatorischen Tätigkeiten mittlerweile kaum noch möglich ist, dass leitende Funktionen von Pflegekräften besetzt sind, die keine entsprechende Weiterbildung oder Qualifikationen haben.

Was ist Ihnen bei all Ihrem Engagement besonders wichtig?

Hannelore Loskill: Ich vertrete in vielen Gremien die Interessen von Menschen mit Beeinträchtigungen. Ich denke, es ist wichtig, Menschen mit Behinderung und chronischen Erkrankungen zu Wort kommen zu lassen;  sie zu fragen, wie die Praxis ist, wie ihr Leben aussieht, welchen Unterstützungsbedarf sie haben. Alleine einmal mit Pflegekräften darüber zu sprechen, wie es ist, wenn jemand ins Krankenhaus kommt und nicht richtig sehen oder hören kann, könnte ein Beispiel sein.

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