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Foto: hsg Bochum

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Wahrnehmung des Pflegeberufes aus?

3. März 2021

„Vor allem junge Menschen [empfinden] Pflegeeinrichtungen als Arbeitgeber attraktiver als noch vor der Krise“ – so heißt es in einer aktuellen Umfrage zur ‚Sinnstiftung im Beruf‘ der KÖNIGSTEINER Gruppe. Sie hatten – unter anderem – Menschen im Alter von 16 – 29 Jahren gefragt, für wie erstrebenswert diese einen Job in der Pflege halten. Heraus kam, dass die Attraktivität der Pflegebranche im Vergleich zum Vorjahr gestiegen war. Das hsg-magazin hat bei Prof. Dr. Sandra Bachmann, Professorin für Pflegerische Versorgung von Kindern, Jugendlichen und deren Familien an der Hochschule für Gesundheit, nachgefragt, wie die aktuelle Pandemie die Sicht auf den Pflegeberuf verändert.

Wie hat die Corona-Pandemie die Sicht auf den Pflegeberuf bislang beeinflusst?

Prof. Dr. Sandra Bachmann: Die Pflege ist in der Corona-Zeit noch mehr in die Öffentlichkeit gerückt. ‚Pflege ist systemrelevant – nicht nur in Corona-Zeiten.‘ Der Umfang der Expertise und die Verantwortung pflegerischen Handelns wurden vielfach unterschätzt. Das zeigt auch eine gemeinsame Stellungnahme von elf Organisationen der Pflege zum Internationalen Jahr der Pflegenden und Hebammen vor dem Hintergrund der Corona Pandemie in Deutschland. Der Pflegeberuf gehört zu den ältesten Berufen der Welt und stellt in unserem Versorgungsalltag, insbesondere aufgrund der aktuellen soziodemografischen Herausforderungen, eine unverzichtbare Größe und hohe Relevanz dar. Kaum ein Beruf ist vom aktuellen Wandel unserer Gesellschaft so beeinflusst wie der Pflegeberuf – und das nicht erst seit Corona! In der Pandemie ist allerdings vielen Menschen mit Blick auf Länder wie Italien sehr deutlich geworden, wie wichtig eine gute gesundheitliche Versorgung und insbesondere die Gesundheits- und Krankenpflege ist.

Welche Konsequenzen sollten ihrer Meinung nach aus dieser veränderten Sichtweise gezogen werden?

Bachmann: Die öffentliche Wahrnehmung, Bedeutung und Anerkennung der Pflegefachkräfte in der stationären Versorgung von älteren und hochaltrigen Menschen scheint zeitgleich durch die ethische Diskussion in den (sozialen) Medien während des Shutdowns und dem Besuchsverbot in stationären Einrichtungen der Altenhilfe gestiegen zu sein, doch viel wichtiger ist jetzt die politischen Weichen zu stellen, damit Pflegefachpersonen und die Pflegewissenschaft endlich die notwendige Anerkennung bekommen und wie im internationalen Vergleich schon längst, gleichberechtigt neben anderen Professionen ihren Platz im deutschen Gesundheitssystem haben.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger aller Länder dazu aufgerufen, in eine zeitgemäße Ausbildung der Pflegefachpersonen zu investieren, die Anzahl der Pflegefachpersonen zu erhöhen und Führungspersonen der Pflege eine einflussreiche Rolle bei der Ausarbeitung und Entscheidungsfindung nationaler Gesundheitsziele einzuräumen, um so die Effizienz der Gesundheits- und Sozialsysteme zu erhöhen.

Warum sollte man sich für ein Pflegestudium entscheiden, wenn man einen Pflegeberuf erlernen möchte?

Bachmann: Komplexe Versorgungsbedarfe erfordern hochschulisch qualifizierte Pflegefachpersonen. Die hsg Bochum bietet seit 2010 Studiengänge im Bereich der Pflege an. Sowohl im originären Berufsfeld als auch in benachbarten Tätigkeitsfeldern finden Abiturient*innen sowie bereits examinierte Pflegekräfte ein reichhaltiges und zum Teil einzigartiges Studienangebot. Der medizinische Fortschritt, die steigende Zahl betagter Menschen, die an immer komplexeren Krankheitsbildern leiden – Faktoren wie diese erfordern neue, moderne und evidenzbasierte Konzepte in der Pflege und damit auch Pflegekräfte mit akademischer Ausbildung.

Aufgrund der generalistischen Ausrichtung bietet der Studiengang Pflege den Absolvent*innen optimale Perspektiven am Arbeitsmarkt und sehr gute Karrieremöglichkeiten im Gesundheitswesen. Mit dem Abschluss in dem Bachelor-Studiengang Pflege erlangen die Absolvent*innen Fähigkeiten zum evidenzbasierten, also wissenschaftlichen fundierten Arbeiten mit Menschen in allen Altersklassen und in unterschiedlichen pflegepraktischen Handlungsfeldern.

Die Studierenden durchlaufen im Wechsel zwischen theoretischen und praktischen Studienphasen 2300 Stunden in der Praxis bei unseren Kooperationspartnern und 2100 Stunden in der Theorie an der Hochschule. Dabei verknüpfen die Lehrenden die Inhalte der theoretischen Lehre in Vorlesungen und Seminaren mit denen der praktischen Ausbildung und Arbeit in den Versorgungseinrichtungen (z.B. Krankenhäuser, Senioreneinrichtungen, Fachkliniken und Sozialstationen) – zum einen durch eine enge Vernetzung der Hochschule mit ihren Kooperationspartnern – zum anderen durch eine intensive Arbeit in den so genannten ‚Skills-Labs‘. Die enge Verflechtung von Theorie und Praxis durch Lehrende mit langjähriger Praxis- und Forschungserfahrung, ermöglicht eine direkte Integration von aktuellen Erkenntnissen der Pflegeforschung, Gerontologie und Medizin in die fachpraktische Ausbildung.

Zu sehen ist Hendrik Watermann vor der hsg-Bochum.
Foto: hsg Bochum/jmj
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