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Foto: HS Gesundheit/Jürgen Nobel

Lehrpreis 2023: Professor*innen im Interview

13. Dezember 2023

Drei Wissenschaftler*innen sind mit dem Lehrpreis 2023 der Hochschule für Gesundheit (HS Gesundheit) in Bochum ausgezeichnet worden. Mit dem Preis zu wechselnden Themenschwerpunkten würdigt die Hochschule einmal im Jahr besonderes Engagement in der Lehre. Das Vorschlagsrecht liegt ausschließlich bei den Studierenden der Hochschule. Die Vorschläge werden anschließend von einer Jury aus Vertreter*innen des AStA und aller Departments bewertet. Der Schwerpunkt des Lehrpreises 2023 lag auf dem Thema „Nachhaltiges Lernen“. Zu den Preisträger*innen zählen: Prof.in Dr.in Verena Baumgart, Prof. Dr. Dr. Christian Postert und Prof. Dr. Marcus Kutschmann. In kurzen Interviews verraten die Wissenschaftler*innen unter anderem, was sie Studierenden mit auf den Weg geben möchten.

Foto: HS Gesundheit
Prof.in Dr.in Verena Baumgart, Professorin für Ergotherapie.

Prof.in Dr.in Verena Baumgart, Professorin für Ergotherapie

Die Vergabe des diesjährigen Lehrpreises der HS Gesundheit stand unter dem Motto „Nachhaltiges Lernen“: Wie unterstützen Sie Studierende mit Ihrer Lehre beim nachhaltigen Lernen?

Prof.in Dr.in Verena Baumgart: Für ein nachhaltiges Lernen sind mir vier zentrale Aspekte wichtig. Erstens: Ich wende in meiner Lehre verschiedene didaktische Methoden an, um ein „spielerisches“ Lernen für unterschiedliche Lerntypen zu ermöglichen. Dabei versuche ich mehrere Sinneskanäle anzuregen. Beispielsweise auditiv durch ein Audiotape, visuell durch eine Pecha Kucha, einem mündlichen Vortrag, zu dem 20 passende Bilder für jeweils 20 Sekunden eingeblendet werden oder aber durch Austauschformate wie ein World-Café.

Wichtig finde ich ein Methodenpotpourri bereit zu halten, um situativ je nach Dynamik der Gruppe eine entsprechende Methodik anwenden zu können. Zweitens: Mir ist es wichtig, reale Fallbeispiele und Herausforderungen des Gesundheitssystems zu skizzieren und verschiedenste Perspektiven darzustellen, sodass die Studierenden möglichst in die Situation hineinversetzt werden können. Drittens: Ich versuche das berufsbiografische Wissen der Studierenden in Grundzügen zu kennen und weiter auszubauen, um auch Berufsperspektiven aufzuzeigen. Viertens: Zu guter Letzt mache ich Studierende auch auf außerhochschulische und kostenlose Online-Seminare, Tagungen, Kongresse oder Publikationen aufmerksam, die mit dem Inhalt der Lehre übereinstimmen und ihnen die Möglichkeit bieten, das erworbene Wissen auf freiwilliger Basis weiter zu vertiefen und es auch nach dem erfolgreichen Abschluss eines Moduls weiter aufrecht zu halten und auszubauen.

Welchen Tipp haben Sie für Studierende in Bezug auf nachhaltiges Lernen?

Prof.in Dr.in Verena Baumgart: Ich denke, dass ein lebenslanges Lernen wichtig ist. Man weiß nie, wo der Weg im Leben hinführt. Offenheit, sich inspirieren zu lassen und sich trauen, neue Wege einzuschlagen, auch wenn es vielleicht nicht auf Anhieb klappt, das halte ich für entscheidend. Meine Methoden funktionieren auch nicht immer gleich gut, dann ist es wichtig, immer noch eine Alternative zu haben. Mein Rat ist, sich aus verschiedensten Szenarien einen bunten Blumenstrauß für das nachhaltige Lernen mitzunehmen.

Sie wurden im Zuge der Nominierung unter anderem dafür gelobt, die Lehrinhalte mit eindrücklichen Beispielen besonders verständlich zu gestalten und mit Ihrer abwechslungsreichen Lehre eine Atmosphäre entstehen zu lassen, in der Studierende in das Gesundheitswesen eintauchen und es Stück für Stück in seiner Komplexität besser verstehen können. Was ist Ihnen besonders wichtig, Studierenden mit auf den Weg zu geben?

Prof.in Dr.in Verena Baumgart: Sich etwas zuzutrauen, auch wenn man vielleicht Fehler macht. Oft höre ich Satzschnipsel wie „Das könnte peinlich werden“, „Wenn ich etwas Falsches sage“ oder „Wenn ich die praktische Übung nicht kann“. Ich möchte Student*innen mitgeben, an sich zu glauben, offen zu sein, etwas auszuprobieren und vor allem mit dem Herzen dabei zu sein.


 

Ein Porträt von Prof. Dr. Dr. Christian Postert.
Foto: HS Gesundheit
Prof. Dr. Dr. Christian Postert, Professor für Ergotherapie.

Prof. Dr. Dr. Christian Postert, Professor für Ergotherapie

Die Vergabe des diesjährigen Lehrpreises der HS Gesundheit stand unter dem Motto „Nachhaltiges Lernen“: Wie unterstützen Sie Studierende mit Ihrer Lehre beim nachhaltigen Lernen?

Prof. Dr. Dr. Christian Postert: Zuerst einmal geht es für mich darum, Studierende zu ermutigen und zu bestärken: Sie sind selbst wesentliche Mitgestalter*innen ihres eigenen Lernprozesses. Sie bringen bereits viele Kompetenzen mit und spüren, wo der nächste Lernimpuls bei ihnen am besten ansetzt. Vielleicht ein Beispiel dazu: Nach einem inhaltlichen Input – zum Beispiel zu einem ergotherapeutischen Therapieansatz – haben Studierende Gelegenheit, diesen in kleinen begleiteten Gruppen anhand alltäglicher Betätigungsprobleme miteinander zu erproben.

Dabei können sie sich filmen und bei Wunsch selbstgewählte Videosequenzen daraus wieder anhand eigener Fragestellungen in der größeren Lerngruppe vorstellen. Für ein Feedback aus der größeren Gruppe biete ich dabei die systemische Methode des Reflecting Team an, das eine Betonung der individuellen Stärken, eine Vielfalt der Perspektiven und eine nicht-hierarchische Lernstruktur ermöglicht. Erfahrungsgemäß ziehen Studierende aus diesem differenzierten Feedback sowohl als Vorstellende einer Videosequenz als auch als Reflektierende genau die Lernimpulse, die für ihren aktuellen Lernprozess am nachhaltigsten sind.

Welchen Tipp haben Sie für Studierende in Bezug auf nachhaltiges Lernen?

Prof. Dr. Dr. Christian Postert: In einer konstruktivistischen Didaktik sind die Studierenden selbst die Expert*innen ihres Lernprozesses. Insofern tue ich mich da etwas schwer mit einem pauschalen Tipp. Am ehesten vielleicht noch folgender: Folgen und vertrauen Sie Ihrem tiefsten professionellen Erkenntnis- und Entwicklungsinteresse. Natürlich, es gibt auch Lerninhalte im Studium, die vielleicht auf den ersten Blick weniger interessieren und dennoch als wichtige Wissensbestände und Kompetenzen des Faches angeeignet werden müssen. Darüber hinaus tragen alle Studierenden auch jeweils eigene professionelle Entwicklungsimpulse in sich und drängen danach, diese in ihrem ergotherapeutischen Denken und Handeln zu verfolgen und als therapeutische Persönlichkeiten weiter zu wachsen. Diesem inneren roten Faden in der eigenen professionellen Entwicklung zu folgen ist vielleicht die beste Richtschnur für ein nachhaltiges Lernen.

Sie wurden im Zuge der Nominierung unter anderem dafür gelobt, auf eine wertschätzende Art und Weise nicht nur spannendes Fachwissen zu vermitteln, sondern die Studierenden durch eine praxisrelevante Lehre, in der sie auch eigene Erfahrungen sammeln können, in ihrer therapeutischen Entwicklung selbstbewusst wachsen zu lassen. Was ist Ihnen besonders wichtig, Studierenden mit auf den Weg zu geben?

Prof. Dr. Dr. Christian Postert: Als Lehrende der Hochschule begleiten wir die Studierenden nur auf Zeit. Lernprozesse und Kompetenzerwerb der Studierenden haben bereits vor dem Studium begonnen und werden nach dem Studium wesentlich fortgeführt. Insofern ist es mir für ein nachhaltiges Lernen besonders wichtig, Studierenden Mut und Vertrauen in die weitere selbstbestimmte Entwicklung ihrer professionellen Kompetenzen zu geben. In der oben genannten Reflexion der Videoausschnitte werden so zum Beispiel primär gelingende Sequenzen vertieft, damit die Studierenden sich selbst als positives visuelles Modell verinnerlichen – ein Video Self Modeling als Teil einer wertschätzenden und offenen Lehr-Lern-Kultur. Und, nebenbei gesagt, ist dies auch eine Haltung, die in modifizierter Form in vielen Therapieansätzen mit Klient*innen in der Ergotherapie praktiziert wird. Insofern möchte ich Studierenden eine ermutigende und nachhaltige Lernerfahrung vermitteln, deren Geist sie später in der Therapie hoffentlich auch an ihre Klient*innen weitergeben können.


 

Foto: HS Gesundheit
Prof. Dr. Marcus Kutschmann, Professor für Forschungsmethoden im Kontext Gesundheit.

Prof. Dr. Marcus Kutschmann, Professor für Forschungsmethoden im Kontext Gesundheit

Die Vergabe des diesjährigen Lehrpreises der HS Gesundheit stand unter dem Motto „Nachhaltiges Lernen“: Wie unterstützen Sie Studierende mit Ihrer Lehre beim nachhaltigen Lernen?

Prof. Dr. Marcus Kutschmann: Zum einen versuche ich, einen hohen Praxisbezug herzustellen, damit die Studierenden verstehen, welche Bedeutung quantitative Methoden für die Forschung im Bereich Community Health haben. Zum anderen gestalte ich meine Lehrveranstaltungen so interaktiv wie möglich und stelle Bezüge zu den Lebenswirklichkeiten der Studierenden her, damit sie quantitative Methoden aktiv erfahren und erleben können.

Und nicht zuletzt darf – bei aller gebotenen Ernsthaftigkeit – gerade bei einem (vermeintlich) eher spröden und (zunächst) nicht sonderlich beliebten Thema wie Statistik auch der Spaß beim und am Lernen nicht auf der Strecke bleiben.

Welchen Tipp haben Sie für Studierende in Bezug auf nachhaltiges Lernen?

Prof. Dr. Marcus Kutschmann: Ich empfehle den Studierenden immer, Lerngruppen zu bilden, in denen sie die Veranstaltungsinhalte gemeinsam nachbereiten und sich auf die Klausur am Ende des Semesters vorbereiten. Das hilft natürlich zum einen denen, die Schwierigkeiten mit dem Zugang zu quantitativen Forschungsmethoden haben. Aber auch diejenigen, denen das Verstehen leichter fällt, können davon profitieren. Denn frei nach Einsteins Aussage „Wenn du es nicht einfach erklären kannst, hast du es nicht gut genug verstanden“ haben sie in den Lerngruppen auf diese Weise die Möglichkeit zu überprüfen, inwieweit sie die Veranstaltungsinhalte tatsächlich nachhaltig verinnerlicht haben.

Sie wurden im Zuge der Nominierung unter anderem dafür gelobt, mit Ihrer inspirierenden und verständlichen Lehre komplexe Inhalte besonders zugänglich zu machen, die Angst vor mathematischen Formeln zu nehmen und vermeintlich trockene Statistiken mit Humor in unterhaltsame Anekdoten zu verwandeln, die nachhaltig für das Forschen mit quantitativen Methoden begeistern. Was ist Ihnen besonders wichtig, Studierenden mit auf den Weg zu geben?

Prof. Dr. Marcus Kutschmann: Die Studierenden am Department of Community Health belegen im Verlauf ihres Bachelor- oder Masterstudiums jeweils nur eine Veranstaltung zu quantitativen Forschungsmethoden. Das ist zu wenig, um ihnen umfassendes Wissen in dieser Fachdisziplin zu vermitteln. Daher ist es mir besonders wichtig, den Studierenden im Rahmen meiner Veranstaltungen unter anderem eine Art Urvertrauen in die eigene methodische Kompetenz mitzugeben, das sie dazu in die Lage versetzt, sich selbstständig zum Beispiel statistische Verfahren anzueignen, die sie gegebenenfalls für ihre Abschlussarbeit oder später im Berufsleben benötigen.

Foto: HS Gesundheit/ds
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