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Foto: hsg Bochum/Wolfgang Deiters

Robotik als Zukunftsthema?

24. Februar 2021

Prof. Dr. Wolfgang Deiters, Professor für Gesundheitstechnologien an der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum), bespricht, wie Service- und Interaktionsroboter den Alltag in der Gesundheitsversorgung verändern könnten. Er plädiert für einen partizipativen Forschungsansatz, also für einen Ansatz, der die Beteiligten in alle Forschungs- und Projektschritte aktiv einbindet. Die Nutzer*innen und die Nützlichkeit werden dabei in den Vordergrund der Diskussion gestellt.

Prof. Dr. Wolfgang Deiters

„Digitalisierung wird als Lösungsbaustein für Gesundheitsversorgung und Pflege immer öfter diskutiert, gilt sie doch als eine Antwort, um in Zeiten des demographischen Wandels einen zunehmenden Bedarf bei vorhandenem Fachkräftemangel mit zu bedienen. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Digitalisierungs-Ansätze wie elektronische Patientenakten, eRezepte, eMedikationspläne oder medizintechnische Sensorik im Rahmen von Diagnostik und Therapieprozessen, um nur einige Beispiele zu nennen. Eine weitere Klasse von Systemen kommt aus dem Bereich der Robotik: In der Chirurgie sind OP-Roboter – wie etwa das System da Vinci – nicht mehr wegzudenken, auch in der Rehabilitation sind Trainingsgeräte – egal ob mobil, stationär oder als Exoskelett auch selbstgetragen – auf dem Vormarsch. Auch für die Pflege und Betreuung kranker und älterer Menschen werden mittlerweile emotionale Roboter wie die Robbe paro, Telepräsenzroboter oder auch Service- und Interaktionsroboter diskutiert und in verschiedenen Projektengetestet.

hsg Bochum/Volker Wiciok
Prof. Dr. Wolfgang Deiters hat den Serviecroboter temi an die hsg Bochum geholt.

Welche Potentiale ergeben sich durch solche Systeme? Wie verändern sich Pflege und medizinische Betreuung von Pflegebedürftigen und Patient*innen? Vor allem, welche ethischen Fragestellungen ergeben sich beim Einsatz solcher Systeme? Für eine nutzer*innengetriebene Forschung müssen diese Fragen aus der Perspektive der Pflegebedürftigen/Patient*innen und auch des Fachpersonals gestellt und beantwortet werden.

Forschung am Beispiel temi

Am Beispiel des Service- und Interaktionsroboters temi der Firma medisana soll derartigen Fragen an der hsg Bochum in Zukunft nachgegangen werden. Der Roboter temi ist ein selbstständig, autonom fahrendes System, das in der Lage ist, Hol- und Bringdienste, und in gewissem Maße auch Messungen von Vitalparametern wie Herzfrequenz, Blutdruck oder Körpertemperatur durchzuführen. Er kann durch Spracheinngabe gesteuert auch Videoverbindungen aufbauen, um etwa eine Videosprechstunde zu Ärzt*innen oder Interaktion mit Angehörigen zu ermöglichen. Als solches hat temi das Potential insbesondere in Pandemiesituationen sowohl mitzuhelfen, physischen Kontakt zu reduzieren als auch soziale Kontakte und medizinische und pflegerische Prozesse aufrechtzuerhalten.

hsg Bochum/Wolfgang Deiters
Im Alltag könnte temi beispielsweise Gegenstände transportieren und so Patient*innen unterstützen. Eine solche Situation wurde hier in den Skills-Lab der hsg Bochum nachgestellt. Foto: hsg Bochum/Wolfgang Deiters

Gerade in der Interaktion mit Studierenden der hsg Bochum soll erreicht werden, ein solches Zukunftsthema zum einen in der Ausbildung zu platzieren, zum anderen aber insbesondere auch einen kritisch, reflektiven Gestaltungsdiskurs zu führen. Wie weit ist es heute schon realistisch, solche Systeme in Alltagsprozesse der Pflege und medizinischen Versorgung einzusetzen? Was sind denkbare und vor allem sinnvolle Szenarien? Welche Sorgen entstehen bei den Personen, die mit diesen neuen technischen Kolleg*innen zusammenarbeiten oder von ihnen betreut werden? Welche ethischen Fragen stellen sich? Und auch: wie müssten, wenn gewünscht, einfühlsame Einführungsprozesse aussehen und welcher Schulungsbedarf entsteht? Viele dieser Fragen gilt es zu stellen und es müssen Antworten gefunden werden.

Zusammengefasst bleibt die heute noch offene Grundsatzfrage: Wie müssen diese Systeme richtig gestaltet werden, um das Potential zu entfalten, Gesundheitsversorgung und Pflege ein stückweit besser und effizienter zu machen? Nur eine offene Herangehensweise unter Einbeziehung aller Betroffenen kann die Frage beantworten und vor allem dazu führen, eine neue Unterstützungstechnologie sinnvoll zu gestalten.“

Zu sehen ist Prof. Dr. Kerstin Bilda.
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