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DAS ONLINE-MAGAZIN DER HOCHSCHULE FÜR GESUNDHEIT IN BOCHUM

Technik für die Physiotherapie

Von der Digitalisierung profitieren: Die App TheraAssist unterstützt Physiotherapeut*innen Diagnostik und Therapien zu strukturieren und ihre Ergebnisse zu evaluieren. An der Forschung zu Anwenderfreundlichkeit sowie Entwicklung der Technik arbeitet die hsg seit April 2015 mit.

Digitalisierung kann das Leben leichter machen. Besonders im Gesundheitswesen, wo es eine immer größere Bedeutung bekommt – zur Stärkung der Kommunikation und Zusammenarbeit und natürlich als direkte Unterstützung für die Patient*innen. „Das gilt auch in der Physiotherapie“, betont Projektleiter Prof. Dr. Christian Grüneberg, Leiter des Studiengangs Physiotherapie. Er fügt hinzu: „Technische Fortschritte können genutzt werden, um den Patient*innen das bestmögliche Wissen für die medizinische und physiotherapeutische Behandlung zugutekommen zu lassen. Das kann auf unterschiedliche Weise geschehen. Beispiele sind die Telemedizin oder die Nutzung elektronischer Geräte in der medizinischen Versorgung und bei der Wahrnehmung anderer Aufgaben im Gesundheitswesen.“

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Im Bild von links nach rechts: Alina Rieckmann, Franziska Weber und Prof. Dr. Christian Grüneberg. Foto: hsg

Aus diesen Gründen beschäftigt sich die Projektgruppe ‚Digitalisierung im Gesundheitswesen‘ im Studienbereich Physiotherapie der hsg seit April 2015 mit der Entwicklung einer elektronischen Anwendung für Physiotherapeut*innen. Sie unterstützt den physiotherapeutischen Prozess und leitet den oder die Therapeut*in durch Screening, Untersuchung und einzelne Behandlungsschritte. Anschließend soll sie bei der standardisierten Behandlungsevaluation und Dokumentation sowie beim Erstellen eines Therapieberichtes helfen.

Eine App im Praxistest

Um eine möglichst anwenderfreundliche Software zu entwickeln, führte der Studienbereich vor zwei Jahren eine deutschlandweite Online-Umfrage bei Physiotherapeut*innen durch, an der 595 Therapeut*innen teilnahmen. Dadurch konnte die Bereitschaft sowie die Förderfaktoren und Barrieren zur Nutzung einer computergestützten Dokumentation herausgefunden werden. Im Zuge der Entwicklung der App- und Webanwendung gab es drei Erprobungsphasen mit Kooperationspartnern sowie Studierenden der hsg. Dabei wurde die generelle Akzeptanz digitaler Medien, sowie die Usability und Verständlichkeit der App untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass eine Vereinfachung der physiotherapeutischen Dokumentation und Befundung durch die App gesehen wird, die außerdem die interprofessionelle Kommunikation vereinfachen und stärken kann.

Von Daten zum Therapiebericht

Das Ergebnis der ersten Entwicklungsphasen heißt ‚TheraAssist‘. Diese App- und Webanwendung wurde in Kooperation mit der Abrechnungs- und Softwarefirma OptaData entwickelt. Mit einer hypothesengeleiteten Untersuchung – unter Einbezug von Screenings und des biopsychosozialen Denkmodells (ICF) – soll der elektronische Assistent die Anwender*innen intuitiv durch den physiotherapeutischen Prozess leiten. Des Weiteren soll der Transfer von Evidenzbasierter Praxis, also die Übertragung von wissenschaftlich bewiesenen wirksamen Behandlungs- und Untersuchungsmethoden in die Therapie, gefördert werden.

Um die generelle Verwendung von Messinstrumenten zu unterstützen und zu stärken, werden dem oder der Anwender*in für das Krankheitsbild geeignete Tests und Messverfahren angezeigt. „Eine Hilfestellung für die schnelle Sicherstellung der Dokumentation und der Ergebnisdarstellung aller Behandlungen und gesicherter Befundung“, so beschreibt Christian Grüneberg die Vorteile der App. „Grundlage für die Erstellung der klinischen Handlungspfade und die Auswahl der Assessments sind nationale und internationale Leitlinien und eigene Forschungsarbeiten der hsg“, sagt er.

„Technische Fortschritte können genutzt werden, um den Patient*innen das bestmögliche Wissen für die Behandlung zugutekommen zu lassen.“
Prof. Dr. Christian Grüneberg

Ein weiterer Schwerpunkt der Anwendung ist die automatische Erstellung des Therapieberichts. Ziel ist dessen Standardisierung, damit die Kommunikation zwischen Ärzt*innen und Therapeut*innen sowie unter Therapeut*innen erleichtert und verbessert wird. „Zusätzlich ist eine beidseitige Transparenz gegenüber den Kostenträgern auch wünschenswert“, so Grüneberg. „Zu diesem Zwecke wurden Erhebungen zum momentanen Berichtswesen durchgeführt und dabei inhaltliche und strukturelle Wünsche und Anforderungen an den Therapiebericht analysiert.“

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Umfrageergebnis zu allgemeinen Forschungsfrage „Können Sie sich grundsätzlich vorstellen, eine anwenderfreundliche, computergestützte Dokumentation (z. B. Smartphone, Tablet, Mini-Computer) im praktischen Alltag anzuwenden?“ Mit der Unterfrage „Welche Förderfaktoren und Barrieren sehen Sie in der Einführung der elektronischen Patientendokumentation?“ Absteigend nach der Anzahl der Nennungen. ©hsg

Weitere Studien zur Usability und Anwenderfreundlichkeit sowie der Handhabung in Praxis und Patientenkommunikation sind geplant – genauso wie die Vernetzung anderer Professionen im ambulanten Bereich zur Verbesserung der interdisziplinären Kommunikation. Grüneberg: „Insgesamt kann man konstatieren, dass die Digitalisierung den Prozess der Professionalisierung unterstützen kann, allerdings ist dies ein Prozess, es geht nicht immer direkt per Knopfdruck, so sehr wir es uns auch wünschen.“


 

Das TheraAssist-Projektteam besteht aus den hsg-Wissenschaftler*innen Alina Rieckmann, Franziska Weber und Prof. Dr. Christian Grüneberg.

Mehr über den Studiengang Physiotherapie erfahren Sie im Videoportrait

Text: Tanja Breukelchen, freie Journalistin
Aufmacher: hsg

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