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Foto: privat

„Ich habe eine Praxis kreiert, in der ich selbst Lust hätte zu arbeiten.“

15. November 2023

Sich als Physiotherapeutin selbstständig zu machen und eines Tages eine eigene Praxis zu gründen – das kann sich Carla Zander für ihre Zukunft gut vorstellen. Die Studierende der Hochschule für Gesundheit (HS Gesundheit) in Bochum hat beim Businessplan-Wettbewerb des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten – IFK e. V. teilgenommen und mit ihrer Idee für die Gründung einer physiotherapeutischen Praxis den ersten Platz belegt.

Als Carla Zander sich erstmals dem Wettbewerb widmet – einen Businessplan für die fiktive Gründung einer Physiotherapiepraxis zu entwickeln – hat sie schnell ein Bild von ihrer Praxis vor Augen. Vor allem ältere Menschen möchte sie physiotherapeutisch versorgen. „Wir beobachten einen überdurchschnittlich hohen Bedarf an einer physiotherapeutischen Versorgung der älteren Bevölkerung und sehen uns gleichzeitig einer Versorgungslücke in dem Bereich gegenüber. Durch ein höheres Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für Multimorbidität und chronische Erkrankungen, welche einer umfassenden Versorgungstruktur bedürfen. Daher zeigt die Zielgruppe eine hohe Relevanz auf. Mal abgesehen davon, dass es mir auch einfach richtig Spaß macht, mit älteren Menschen zusammenzuarbeiten“, erzählt Carla Zander. Die Masterstudierende möchte in einer eigenen Praxis neben der regulären physiotherapeutischen Versorgung auch Kurse zur Prävention und Gesundheitsförderung anbieten, zum Beispiel zu Bewegung, Ernährung und Stressmanagement. „Auch Maßnahmen zur Sturzprophylaxe und zum Trainieren des Beckenbodens, dessen Funktionalität im Alter häufig nachlässt, sollen in dem Praxiskonzept Anklang finden. Eine adäquate Versorgung trägt zu einer bedeutenden Steigerung der Lebensqualität der Betroffenen bei. Neben einer innovativen und individuellen Versorgung in Einzeltherapiestunden möchte ich auch Gruppentherapien anbieten, denn gerade ältere Menschen sind oftmals einsam und schätzen das Gemeinschaftsgefühl“, so Carla Zander weiter.

Ein anderer Aspekt, der einen großen Raum in ihrem preisgekrönten Businessplan einnimmt, ist die Interprofessionalität. Carla Zander hat nach ihrer Ausbildung zur Physiotherapeutin ein Jahr in der Praxis gearbeitet, anschließend an der Hochschule Bremen ihren Bachelor in Angewandte Therapiewissenschaften absolviert und steckt gerade im Endspurt ihres Masterstudiums Physiotherapiewissenschaft an der Hochschule für Gesundheit. „Ich habe nach meiner Ausbildung direkt in einem interprofessionellen Team gearbeitet. Das fand ich damals schon spannend, rückblickend habe ich aber gemerkt, dass ich mich in einem interprofessionellen Team erst seit meiner akademischen Laufbahn wirklich sicher bewege. Ich habe im Studium gelernt, die Physiotherapie weiterzudenken und neue Perspektiven gewonnen. Dabei konnte ich nicht nur mein Wissen und meine Fähigkeiten ausbauen, sondern auch an Selbstvertrauen und souveränem Auftreten dazugewinnen. Ich gehe heute viel selbstbewusster in die Kommunikation mit anderen Gesundheitsakteur*innen und kann mich mit einem viel breiteren Know-how auch berufspolitischen Diskussionen widmen.“

Carla Zander: „Ich habe im Studium gelernt, die Physiotherapie weiterzudenken und neue Perspektiven gewonnen.“

Neben physiotherapeutischem Wissen war bei der Erstellung des Businessplans auch betriebswirtschaftliches Know-how, Führungskompetenz und der ein oder andere rechtliche Hintergrund gefragt. „Da habe ich mich ganz schön reingefuchst. Finanzierungsplan aufstellen, Standortanalyse durchführen, Risiken wie den Fachkräftemangel einkalkulieren und bereits mit Konzepten zur Gewinnung und Bindung von Therapeut*innen gegensteuern – es galt, bei dem Businessplan einiges zu beachten. Ganz wichtig für mich war es auch, eine Praxisphilosophie aufzustellen, die Wert auf eine stetige berufliche und persönliche Weiterentwicklung sowie eine offene Kommunikation der Therapeut*innen legt. Gerade aus meinem Masterstudium konnte ich sehr viel Wissen im Wettbewerb anwenden, ich bin sehr dankbar, dass ich von einem Dozenten der HS Gesundheit auf die Ausschreibung des Wettbewerbs aufmerksam gemacht wurde. Ich habe eine Praxis kreiert, in der ich selbst Lust hätte zu arbeiten.“

Ihre fiktive Praxiseröffnung ist für Januar 2024 geplant. „So schnell wird es in der Realität nicht gehen“, sagt Carla Zander und lacht. Aktuell schreibt die 28-Jährige ihre Masterarbeit. Dafür interviewt sie Physiotherapeut*innen, die seit maximal fünf Jahren im Beruf stehen, hält fest, welche Herausforderungen ihnen in der Phase des Berufseinstiegs begegnet sind und welche Aspekte zu einer Erleichterung des Berufsanfangs beitragen können. Daraus möchte die Masterstudierende ein Entwicklungskonzept für Berufsanfänger*innen ableiten und skizzieren. „Physiotherapeut*in ist ein toller Beruf. Ich mag es, dass man beispielsweise in der täglichen Arbeit nicht nur Freude an der Bewegung vermittelt, sondern auch selbst in Bewegung kommt. Es gibt keinen anderen Beruf, der meine Interessen und Stärken so sehr vereint“, ist sich Carla Zander sicher. „Mit dem Masterstudium habe ich aber auch eine ganz neue Sicht auf den Physiotherapieberuf bekommen und die Motivation, den Beruf selbst mitzugestalten. Es gibt viele Entwicklungsmöglichkeiten in dem Beruf, aber – und das ist ein großes Aber – das braucht viel Eigeninitiative, man muss schon am Ball bleiben, wenn man vielleicht auch berufspolitisch etwas mitgestalten möchte. Und nicht nur in dem Punkt steckt die Motivation und Leidenschaft der Lehrenden der HS Gesundheit für die Physiotherapie an.“

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