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DAS ONLINE-MAGAZIN DER HOCHSCHULE FÜR GESUNDHEIT IN BOCHUM

Mit dem Ergotherapie-Studium ins Berufsleben

Anlass des Beitrags ist das 10-jährige Jubiläum der hsg im Jahr 2019.  Verena Klagges hat an der Hochschule für Gesundheit (hsg) im ersten Jahrgang der hsg Ergotherapie studiert. Seit ihrem Bachelor-Abschluss im März 2014 arbeitet sie an der LWL-Klinik Münster. Im Interview berichtet die Absolventin über ihre Leidenschaft für die Ergotherapie und ihre bisherige Berufserfahrung.

Wo arbeiten Sie jetzt und was sind Ihre Aufgaben und Ziele dort?

Verena Klagges: Ich arbeite in der LWL-Klinik Münster und zwar hauptsächlich in der ergotherapeutischen Abteilung. Meine Hauptaufgabe besteht in der ergotherapeutischen Behandlung der Patient*innen der offen geführten Depressionsstation sowie in der ambulanten Nachsorge von Patient*innen, die einen Stationsaufenthalt in der Klinik hatten. Ich leite vor allem ergotherapeutische Gruppen, in denen meistens etwas handwerklich-kreatives gemacht wird. Darüber hinaus habe ich zum Beispiel auch schon eine Alltagskompetenzgruppe konzipiert und ich führe ein Achtsamkeitstraining sowie das Gruppentraining sozialer Kompetenzen (GSK) durch.

Wie sind Sie auf den Job aufmerksam geworden?

Klagges: Tatsächlich habe ich schon während meines Studiums an der hsg eine Praxisphase im LWL-Zentrum für berufliche Rehabilitation Münsterland absolviert, dem arbeitstherapeutischen Bereich der LWL-Klinik Münster. Die Verteilung der Praxisstellen im Studium erfolgte zu der Zeit noch über eine persönliche Empfehlung der Studiengangsmitarbeiter*innen, dadurch kam der Kontakt zustande. Zu meinem Bachelor-Abschluss an der hsg gratulierte mir dann meine ehemalige Anleiterin aus dieser Praxisphase und informierte mich über eine freie Stelle im Klinikbereich, auf die ich mich bewarb.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?

Klagges: Mein Arbeitstag beginnt morgens um 8:00 Uhr mit der Therapievorbereitung. Ab 8:30 Uhr kommen dann die ersten Patient*innen, meistens neu aufgenommene Patient*innen, mit denen ich ein Vorgespräch abhalte. Von 9:00 bis 12:00 Uhr folgen dann, je nach Wochentag, ambulante Gruppen, die Therapiekonferenz oder andere Therapieangebote wie die Achtsamkeitsgruppe. Von 12:00 bis 13:00 Uhr ist neben der Pause Zeit, um die Therapien vom Vormittag zu dokumentieren oder Heilmittelverordnungen zu bearbeiten. Ab 13:00 Uhr kommen dann meine Patient*innen von der Station und bleiben bis 16:00 Uhr. Danach setze ich mich an die Nachbereitung der Therapien, Dokumentation und so weiter. Um ungefähr 16:45 Uhr ist dann meistens Arbeitsende. Darüber hinaus wird jeder Tag durch Dienstbesprechungen, Fortbildungen, Vertretungen, Praktikantenanleitung und viel Unvorhergesehenes ziemlich abwechslungsreich.

Möchten Sie von einem besonders bewegenden Erlebnis in ihrer bisherigen Arbeitszeit berichten?

Klagges: Besonders bewegend finde ich es immer, wenn Personen wieder Betätigungen nachgehen können, die sie vorher – zum Teil auch schon sehr lange – aufgrund ihrer Erkrankung nicht mehr machen konnten. Ein Beispiel dafür aus dem Bereich der Selbstversorgung ist eine ältere Patientin, die seit mehreren Jahren nicht mehr alleine einkaufen konnte und jetzt wieder selbstständig Besorgungen erledigen kann.

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Verena Klagges hatte während ihres Studiums an der hsg ein NRW-Stipendium bekommen. Nun arbeitet sie an der LWL-Klinik Münster. Foto: LWL/T. Pöpping

Warum haben Sie sich für Ergotherapie entschieden?

Klagges: Die Fächer Biologie und Pädagogik habe ich bereits in der Schule als Leistungskur­se gewählt und sie sind in der Ergotherapie ebenso vertreten wie die Gebiete Psychologie und Medizin, denen mein besonderes Interesse gilt. Außerdem konnte ich hier meine Erfahrungen aus ehrenamtlichen Tätigkeiten einbringen. Dazu habe ich Freude an der Arbeit mit Menschen und unterstütze sie besonders gerne bei der Bewältigung ihres Alltags. Mich begeistert die Idee der Ergotherapie, die Betätigung als menschliches Grundbedürfnis zu verstehen und die Bedeutung der Betätigung für die Gesundheit des Menschen zu betonen. Meine Entscheidung für ein Studium der Ergotherapie war genau richtig und ich bin immer wieder aufs Neue glücklich, dass ich den Beruf gewählt habe.

Warum haben Sie Ergotherapie an der hsg studiert?

Klagges: Ich habe Ergotherapie studiert, weil mich das wissenschaftliche Arbeiten interessiert hat und ich meine praktische Tätigkeit fundiert begründen können möchte. Zudem hat mir das Studium eine intensive Auseinandersetzung mit den Inhalten der Ergotherapie ermöglicht. Die hsg war die erste Hochschule in Deutschland, an der ein primärqualifizierendes Studium der Ergotherapie möglich war. Hier kann man sowohl theoretisch als auch praktisch lernen und sich interdisziplinär austauschen. Deswegen habe ich mich für ein Studium an der hsg entschieden.

Welche sind Ihre nächsten beruflichen Schritte?

Klagges: Ich hoffe, dass ich bald Zeit finde, um das Konzept meiner Alltagskompetenzgruppe weiter auszuarbeiten, zu verschriftlichen und vielleicht auch zu publizieren. Und wenn sich einmal die Gelegenheit bietet, dann hätte ich Lust einen ergotherapeutischen Bereich an einer Einrichtung mitaufzubauen.


Das Interview führte Dr. Anna Knaup, Online-Redakteurin des hsg-magazins.
Aufmacher: LWL/T. Pöpping

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