hsg-magazin

DAS ONLINE-MAGAZIN DER HOCHSCHULE FÜR GESUNDHEIT IN BOCHUM

Neuer Studiengang der Pflege startet

Im Jahr 2019 feiert die hsg Bochum ihr 10-jähriges Jubiläum und veröffentlicht zu diesem Anlass ein gedrucktes Jubiläumsheft. In diesem wird auch dieser Beitrag von Oktober 2017 aufgenommen, der den Bachelor-Studiengang ‚Evidenzbasierung pflegerischen Handelns‘ vorstellt, der im Wintersemester 2017/2018 an der Hochschule startete. Der Studiengang baut auf bereits in der Praxis erworbene Kompetenzen examinierter Pflegekräfte auf. Er kann entweder in einer Regelstudienzeit von sechs Semestern in Teilzeit oder in vier Semestern in Vollzeit absolviert werden. Zwei Studierende des ersten Jahrgangs, die sich für das Teilzeitmodell entschieden haben, berichten hier im hsg-magazin von ihrer Motivation für ein Studium und ihrer großen Begeisterung für ‚Evidenzbasierung pflegerischen Handelns‘.

Freudestrahlend angelt Katja Kuhlmann ihren nagelneuen Studierendenausweis aus ihrem Portemonnaie hervor und zeigt ihn Carola Peters, die gerade zufällig im Eingangsbereich der Hochschule für Gesundheit vorbeikommt. Kuhlmann und die wissenschaftliche Mitarbeiterin im Department Pflegewissenschaft an der hsg kennen sich bereits durch Kuhlmanns Teilnahme an einem hsg-Zertifikatsmodul. Kurz muss Peters einordnen, was ihr da gerade gezeigt wird. Dann freut auch sie sich: „Herzlichen Glückwunsch! Wie schön!“ Ab heute ist Katja Kuhlmann offiziell Studentin des neuen Studiengangs ‚Evidenzbasierung pflegerischen Handelns‘ an der hsg.

Gerade erst haben sich Kuhlmann und Reinke offiziell eingeschrieben, schon machen sie sich gemeinsam auf den Weg in die Hochschulbibliothek. Hier werden sie bald vermutlich etwas mehr Zeit verbringen. Zwar besteht ein großer Teil des Studiums aus E-Learning-Phasen und es wird nur ein überschaubarer Anteil an Präsenzphasen verlangt, aber die beiden wollen einfach gerne auch mal typische Hochschul-Luft schnuppern. „Wir hatten tatsächlich erst ganz naive, verklärte Vorstellungen von einem Studium. Wir haben an große Hörsäle gedacht und an viele Fremdwörter. Tatsächlich ist das Studium hier an der hsg aber sehr persönlich und extrem praxisnah“, hat Reinke bereits festgestellt.

'
Julia Reinke ist stellvertretende Stationsleitung auf der kinderchirurgischen Intensivstation im Marienhospital in Herne. Dass sie vielleicht irgendwann einmal studieren wird, hatte sie zwar schon immer im Hinterkopf, aber es hatte sich einfach nicht das optimale Angebot ergeben. „Denn ich wollte zwar gerne studieren, aber auf keinen Fall weg vom Pflegebett“, sagt die leidenschaftliche Kinderkrankenpflegerin. Da die hsg eine Kooperation mit dem Marienhospital hat, lernte Reinke auf ihrer Arbeit hsg-Studierende kennen. So ergab sich auch der Kontakt mit Prof. Dr. Sandra Bachmann, die an der hsg Professorin am Department für Pflegewissenschaften ist. Eines Tages drückte Bachmann ihr einen Flyer zum neuen Studiengang ‚Evidensbasierung pflegerischen Handelns‘ in die Hand. Ob das nicht etwas für sie wäre? Foto: hsg
'
Katja Kuhlmann wollte nach dem Fachabitur entweder Sozialpädagogik studieren oder Krankenpflegerin werden. Sie hat sich für den Weg der Krankenpflegerin entschieden und ist inzwischen anleitende Pflegefachkraft im Ruhrlandheim in Bochum, einer Einrichtung der Eingliederungshilfe der Diakonie Ruhr. Die Arbeit mit gehandicapten Menschen erfüllt sie, aber gleichzeitig möchte sie gerne immer mehr lernen und macht verschiedene Fort- und Weiterbildungen. Durch die Kooperation des Ruhrlandheims mit der hsg kommt auch Kuhlmann zum ersten Mal in Kontakt mit Studierenden der hsg. Sie lernt Melanie Schellhoff kennen, die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Department für Pflegewissenschaft an der hsg ist. Sie erzählt Kuhlmann von dem damals noch geplanten Studiengang. „Seitdem habe ich regelmäßig auf der Homepage der hsg nachgesehen, wann der Studiengang denn endlich losgeht“, erinnert sich Kuhlmann. Foto: hsg

In ihrem Freundes- und Bekanntenkreis wurden beide immer wieder gefragt, warum sie denn jetzt noch studieren wollen. Katja Kuhlmann reagiert auf diese Fragen mit Humor: „Ich sage dann immer, dass ich, wenn ich erst einmal den Abschluss in der Tasche habe, als Bachelorette zu RTL gehen werde.“ Wie ihr Weg nach dem Studium tatsächlich aussehen soll, weiß Kuhlmann noch gar nicht so genau. „Aber vielleicht wird sich ja irgendwann eine Karrieremöglichkeit ergeben. Und dann bin ich mit dem Studium darauf vorbereitet!“

Auch Julia Reinke wird immer wieder nach der Motivation für ihre Entscheidung gefragt: „Ich höre oft: Als Kinderkrankenpflegerin wickelst und fütterst du doch nur Babys, warum musst du an die Hochschule? Dann antworte ich: Um genau mit diesen Vorurteilen aufzuräumen!“ Außerdem hat sie interessiert verfolgt, dass die Pflege immer mehr akademisiert wird.

Eine Entwicklung, die laut Prof. Dr. André Posenau, dem Leiter des neuen Studiengangs ‚Evidenzbasierung pflegerischen Handelns‘ an der hsg, positive Effekte für Patient*innen haben wird: „Oft wird bei Entscheidungen in der Pflege heutzutage nur noch die ökonomische Seite gesehen. Das ist keine gute Entwicklung. Durch den Studiengang ‚Evidenzbasierung pflegerischen Handelns‘ wollen wir derartigen Tendenzen entgegenwirken und wissenschaftliche Erkenntnisse in der Praxis wieder relevanter machen.“

Damit die wissenschaftliche Fundierung pflegerischer Tätigkeiten erreicht werden kann, ist ein Hauptziel des Studienganges, dass die Studierenden lernen, Studien und Statistiken richtig einzuschätzen und zu bewerten. „Wir geben also keine vorformulierten Rezepte vor, sondern wir wollen den Studierenden das Handwerkszeug beibringen, damit sie später Probleme selber lösen können“, erklärt Posenau. Pflegekräfte, die zwar an einem Studium interessiert sind, aber große Zweifel haben, ob dieser Weg für sie vielleicht zu schwierig sein könnte, denen spricht Posenau übrigens Mut zu: „Viele in der Pflege haben extrem viel Potential. Das sollten sie nutzen!“

Mit großer Begeisterung beginnen Julia Reinke und Katja Kuhlmann nun ihr Studium. Die ersten Vorbereitungen haben beide schon erledigt: „Ich habe mir erst einmal direkt einen Schreibtisch gekauft, damit ich besser lernen kann“, berichtet Reinke. Da muss Kuhlmann laut lachen: „Genau das habe ich auch schon gemacht.“ Dann kann es jetzt ja endlich losgehen, mit dem neuen Studiengang ‚Evidenzbasierung pflegerischen Handelns‘.

Im Video-Interview der Zeitschrift Unicum Abi erklärt Prof. Dr. André Posenau, Studiengangsleiter des neuen Studiengangs 'Evidenzbasierung pflegerischen Handelns' der hsg, was die Studierenden erwartet. Video: Unicum Abi

 


 

Text: Dr. Anna Knaup, Online-Redakteurin des hsg-magazins

Aufmacher: hsg

Artikel teilen:
lernen & lehren

‚Gesundheit und Sozialraum‘ an der hsg studieren. Was heißt das eigentlich?

Cornelia Iffland, 29 Jahre alt, studiert im 4. Semester ‚Gesundheit und Sozialraum‘ an der Hochschule für Gesundheit (hsg) in Bochum.
lernen & lehren

Wege ins Gesundheitswesen

Als die Forscherinnen Dr. Shoma Berkemeyer, Vertretungsprofessorin für die „Methodologie der Gesundheitsforschung“, und Dr. Tanja ...
© 2018 Hochschule für Gesundheit, Bochum
Datenschutz / Impressum